24.

By Emanuel Geibel

Written 1833-01-01 - 1833-01-01

Nun um deine Pfade leis

Welke Blätter stieben,

Eng und enger wird der Kreis

Täglich deiner Lieben.

Die im Jugendmorgenrot

Dir Geleit gegeben,

Ach, wie viele nahm der Tod,

Wie viel mehr das Leben!

Neue Freundschaft schließt sich schwer

An des Winters Grenze,

Wurzeln treibt das Herz nicht mehr,

Wie dereinst im Lenze.

Zwar im Kampf nicht wird es dir

An Genossen fehlen,

Doch euch knüpft ein gleich Panier,

Nicht der Zug der Seelen.

Auch mit Jüngren wohl ein Stück

Läßt sich's fröhlich schweifen,

Doch nur halb dein Leid und Glück

Mögen sie begreifen.

Darum, soll nicht freudenarm

Dir die Welt verblassen,

Lern' in Liebe doppelt warm,

Was dir blieb, umfassen.

Den du jung umhergestreut

Leicht in leichten Gaben,

Laß an deinem Schatz sich heut

Wen'ge ganz erlaben.

Eisumfrornem Rebensaft

Gleiche, der zusammen-

Drängt im engsten Raum die Kraft

Aller seiner Flammen.