3.

By Andreas Gryphius

Written 1640-01-01 - 1640-01-01

Was seh' ich dort für schmertzen volle hauffen?

Wie das sie so die brüste schlagen?

Vndt mitt so reichen threnen klagen?

Vndt ihr verwirrtes haar ausrauffen?

Was strewen sie für saamen in die erden

Die ihrer zehren regen netzt?

Wer mag es sein der sie verletzt?

Wie das sie so kleinmüttig werden?

Ach! diese sind die auff den reichen Summer

Wen dieser wetter sturm vergangen.

Vndt äcker bäum' vndt felder prangen

Mitt höchster lust frey von dem herben kummer

Noch werden frölich mitt einander lachen:

Vndt sich an dieser saate frucht

Nach der betrübten tage flucht

Mitt scharffgewetzten sicheln machen.

Itz gehen sie durch diese rawe bahn

Mitt blossen füssen.

Vnd stossen offt an fels vndt disteln an.

Das jeder flissen

Nach ihrem tritt die purpur tropfen siht

Gleich wie die ros' aus ihren dornen blüht.

Die augen sindt vom weinen gar vertorben

Die herbe flutt durchbeist die wangen

Das hertz mitt haisser angst vmbfangen

Ist schier in bangikeit erstorben

Wie wen ein schiff sich scheitert an die klippen;

So hörtt man das ein jeder rufft:

Das winseln dringt durch feldt vndt lufft.

Doch jedes wortt start auff den lippen.

Sie werffen weg sie strewen auff den acker

Was sie durch so viel noht vndt sorgen

Erschwitzt worvber sie der morgen

Vndt abendrött vnd mitternacht fandt wacker.

Doch seidt getroft! der schaad ist nicht zu achten!

Was itzundt nimbt wirdt wieder geben

Was itzundt stirbt wirdt wieder leben.

Ihr solt nicht ewig also schmachten.

Ihr werdet baldt voll mehr den höchster lust

Zurücke kommen.

Vndt keiner noht euch ferner sein bewust

Was itzt entnommen.

Wird durch der garben mänge schon ersetzt.

Woll dem der auff sein Creutz so wirdt ergetzt.