Asyl

By Nikolaus Lenau

Written 1833-01-01 - 1833-01-01

Hohe Klippen, ringsgeschlossen,

Wenig kümmerliche Föhren,

Trübe flüsternde Genossen,

Die hier keinen Vogel hören;

Nichts vom freudigen Gesange

In den schönen Frühlingszeiten;

Geiern wird es hier zu bange,

In so dunkeln Einsamkeiten.

Weiches Moos am Felsgesteine,

Schwellend scheint es zu begehren:

Komm, o Wolke, weine, weine

Mir zu die geheimen Zähren!

Winde hauchen hier so leise,

Rätselstimmen tiefer Trauer;

Hier und dort die Blumenwaise

Zittert still im Abendschauer.

Und kein Bach nach diesen Gründen

Darf mit seinem Rauschen kommen,

Darf der Welt verratend künden,

Was er Stilles hier vernommen;

Denn die rauhen Felsen sorgen,

Daß noch eine Stätte bliebe,

Wo ausweinen kann verborgen

Eine unglückliche Liebe.