Elegie .
Welche fremde Gefühle durchschauern mein inner-
stes Innres!
Welche Bangigkeit ängstet die kämpfende
Brust!
Welches Ahnen! und welches Sehnen! und welches
Verlangen!
Welches süsse Weh! welche zerfolternde
Lust!
Mächte, die mich befehden, ihr Feindlichen, Schreck-
lichen, die ihr
Sonder Ursach mir zürnt, sonder Verschul-
den mich straft,
Redet, wer seyd ihr? — Wer bist du? — Bist du
es Liebe? — Dein Odem
Wehet er so? Wie wild weht er! Wie
stürmt er! Es flieht
Alle Ruhe vor ihm aus meinem Herzen. In Auf-
ruhr
Stürmt er diess friedliche Herz. Schone,
Zerstörende, mein!
Schon', o schone mein! ich mag nicht kosten des
Kelches,
Dessen sprudelnder Schaum, dessen Gedüft
mich berauscht.
Hemme den Fittig, und wehre dem Odem! Es weht
so ermattend,
So erkrankend darin. Schone, Zerstören-
de, mein!
Nein, du willst nicht schonen! Mit jeglichem sie-
genden Reize,
Jeder gewinnenden Huld, hast du die Fein-
din geschmückt,
Ach, die süsse Feindin — dich
gönne,
Dass die
tende Herz.
Ida, Ida, du bist so hold, wie die Schimmer in
Osten,
Wie die Wies' im Thau blühend und duf-
tend und frisch.
Blau ist dein Auge; die Locken sind rollende
Strahlen; die Blicke
Freundlicher Mondenblick. Siehe! so pflegt'
ich das Bild
Meiner Erkohrnen mir vorzuzaubern. Der Flor der
Unschuld
Hüllet das thauende Aug', hüllet die be-
bende Brust,
Röthet röther die Rose der Wangen, und mildert
der Lippen
Lispelnden Liebeslaut zu noch melodischerm
Klang.
Meine Ida, so hab' ich dich funden. So siegtest
du heimlich
In der Unschuld Gewand über mein siche-
res Herz.
Ach, zu sicheres Herz! wird dich auch Ida wohl
lieben?
Wird das Ihre, wie du, zärtlich und lie-
bevoll seyn?
Meine Ida, wirst du mich lieben? Dein schmach-
tendes Auge
Blicket, dein Busen bebt, dass du zu lieben
vermagst.
Liebe, liebe mich denn! Mein Herz ist offen und
redlich,
Geistesweihe mein Werth, Harf' und Be-
geistrung mein Ruhm.
Liebe, liebe mich, Ida. Es ist der Tugenden
schönste,
Rein zu lieben, sein Herz einem Verdie-
nenden weihn.
Liebe mich, meine Erwählte. Es ist die höchste
der Wonnen,
Edel zu lieben, geliebt von dem Geliebten
zu seyn.
Ach, dass du mich liebtest! Wie sollt' in süsser
Umarmung
Unsre Zukunft fliehn, fliehn in elysischer
Ruh!
Jeden sonnigen Lenztag wollten wir heiter ver-
leben,
Wandelnd durch Fluren und Hayn, kosend
am kosenden Bach!
Jede lispelnde Mondnacht wollten wir selig durch-
schlummern,
Meine Rechte dich gürtend, die deinige
mich!
Arm in Arm geflochten, und Seele zerschmolzen in
Seele,
Wollten wir wallen den Pfad, welcher das
Leben durchkreuzt.
Wollten jede Sekunde mit Küssen beflügeln, und
jede
Mit Genüssen weihn, wollten umschlungen
zuletzt
Beyd' in Einem keuschen Kuss, in Einer Umar-
Zu den Liebenden über den Sternen ent-