Elegie .

By Gotthard Ludwig Kosegarten

Welche fremde Gefühle durchschauern mein inner-

stes Innres!

Welche Bangigkeit ängstet die kämpfende

Brust!

Welches Ahnen! und welches Sehnen! und welches

Verlangen!

Welches süsse Weh! welche zerfolternde

Lust!

Mächte, die mich befehden, ihr Feindlichen, Schreck-

lichen, die ihr

Sonder Ursach mir zürnt, sonder Verschul-

den mich straft,

Redet, wer seyd ihr? — Wer bist du? — Bist du

es Liebe? — Dein Odem

Wehet er so? Wie wild weht er! Wie

stürmt er! Es flieht

Alle Ruhe vor ihm aus meinem Herzen. In Auf-

ruhr

Stürmt er diess friedliche Herz. Schone,

Zerstörende, mein!

Schon', o schone mein! ich mag nicht kosten des

Kelches,

Dessen sprudelnder Schaum, dessen Gedüft

mich berauscht.

Hemme den Fittig, und wehre dem Odem! Es weht

so ermattend,

So erkrankend darin. Schone, Zerstören-

de, mein!

Nein, du willst nicht schonen! Mit jeglichem sie-

genden Reize,

Jeder gewinnenden Huld, hast du die Fein-

din geschmückt,

Ach, die süsse Feindin — dich

gönne,

Dass die

tende Herz.

Ida, Ida, du bist so hold, wie die Schimmer in

Osten,

Wie die Wies' im Thau blühend und duf-

tend und frisch.

Blau ist dein Auge; die Locken sind rollende

Strahlen; die Blicke

Freundlicher Mondenblick. Siehe! so pflegt'

ich das Bild

Meiner Erkohrnen mir vorzuzaubern. Der Flor der

Unschuld

Hüllet das thauende Aug', hüllet die be-

bende Brust,

Röthet röther die Rose der Wangen, und mildert

der Lippen

Lispelnden Liebeslaut zu noch melodischerm

Klang.

Meine Ida, so hab' ich dich funden. So siegtest

du heimlich

In der Unschuld Gewand über mein siche-

res Herz.

Ach, zu sicheres Herz! wird dich auch Ida wohl

lieben?

Wird das Ihre, wie du, zärtlich und lie-

bevoll seyn?

Meine Ida, wirst du mich lieben? Dein schmach-

tendes Auge

Blicket, dein Busen bebt, dass du zu lieben

vermagst.

Liebe, liebe mich denn! Mein Herz ist offen und

redlich,

Geistesweihe mein Werth, Harf' und Be-

geistrung mein Ruhm.

Liebe, liebe mich, Ida. Es ist der Tugenden

schönste,

Rein zu lieben, sein Herz einem Verdie-

nenden weihn.

Liebe mich, meine Erwählte. Es ist die höchste

der Wonnen,

Edel zu lieben, geliebt von dem Geliebten

zu seyn.

Ach, dass du mich liebtest! Wie sollt' in süsser

Umarmung

Unsre Zukunft fliehn, fliehn in elysischer

Ruh!

Jeden sonnigen Lenztag wollten wir heiter ver-

leben,

Wandelnd durch Fluren und Hayn, kosend

am kosenden Bach!

Jede lispelnde Mondnacht wollten wir selig durch-

schlummern,

Meine Rechte dich gürtend, die deinige

mich!

Arm in Arm geflochten, und Seele zerschmolzen in

Seele,

Wollten wir wallen den Pfad, welcher das

Leben durchkreuzt.

Wollten jede Sekunde mit Küssen beflügeln, und

jede

Mit Genüssen weihn, wollten umschlungen

zuletzt

Beyd' in Einem keuschen Kuss, in Einer Umar-

Zu den Liebenden über den Sternen ent-