Ix.

By Johann Jacob Bodmer

Ein Mann gieng über Feld an einem Tag

Da eine Menge Schnees lag,

Er kam in einen Wald sehr tief,

Wo er lang in der Jrre lief.

Er litt von Hunger grosse Noth,

Von Frost erwartet er den Tod.

Sein Glück war, als er sich so weit vergieng,

Daß ihn ein wilder Mann mit Gütigkeit empfieng.

Er nahm ihn in sein Haus, und hielt ihn wohl;

Wie jeder Wirth mit seinem Gaste soll.

So bald er in die Hütte kam,

Begunt er wegen Frostes lahm

In die gefrohrne Hand zu hauchen.

Sein Wirth fragt ihn, warum er das gethan;

Darauf antwortet ihm der fremde Mann:

Ich hauche darum in die Hände,

Damit die Wärme sich dahin zurücke wende.

Der Waldmann sprach: Das ist sehr gut.

Die Wärme ists, was dir wohl thut.

Er macht ein Feur, und satzt ihn nieder;

Von grossem Frost half er ihm wieder.

Indem sie so beym Feuer sassen,

Wollt es sein Wirth nicht bey dem halben lassen.

Er sah wohl, daß er hungrig war,

Er stellt ihm gute Speise dar;

Und reicht ihm einen Trunk: Trinck nur, er ist gesund.

Der Fremde setzt den Becher an den Mund,

Und trinckt; doch wird er bald gewahr,

Daß dieser Tranck gekochet war.

Er brannt ihn auf die Zung: Alsbald blies er daran.

Da sprach zu ihm der wilde Mann:

Was soll das seyn, was hast du izt gethan?

Thu mir es kund. Er sprach: Zu heiß ist mir der

Ich blase dieserwegen drein,

Damit er kälter mögte seyn.

Der Waldmann sprach: Wie? trägst du heiß und kalt

In einem Mund? Würd ich steinalt

So könnt ichs dir zu bösem nicht vergessen.

Auch hab ich mich

Aus meinem Hause muß der Mann,

Der heiß und kalt im Munde haben kan.

Deßwegen raff dich auf, und geh hinaus,

Du bleibest nicht in meinem Haus.