XvIII.

By Johann Jacob Bodmer

Ein Fuchs lief ehmals über Land,

Als er ein Menschenbildniß fand;

Aus Holz gehauen, kunstesvoll,

Sein Haupt gezieret, als es soll,

Die Stirne schön, die Augen klar,

Die Wangen roth, ein silbern Haar;

Der Mund war klein, die Zähne weiß;

Es war gezieret auf den Preis.

Als nun der Fuchs das Bild ersah,

Erstaunt er sehr, und sagte da:

Potz Stern! welch Wunder mag das seyn?

Ist das ein Mensch, was vor ein Schein!

Indem er diese Worte sprach:

Gieng er hin, wo das Bildniß lag.

Er kehrt es hin, er kehrt es her;

Betrachtets wohl, da mercket er,

Daß seine Augen ohne Licht;

Daß es ein Mund ist, der nicht spricht;

Die Hände nie zu Wercke gehn,

Die Füsse immer stille stehn.

Der Fuchs ward dieses ungern innen,

Er dacht in seinen Fuchses-Sinnen:

Was soll das Auge sonder Licht?

Was soll der Mund, so er nicht spricht?

Die Hände, die zu Werck nicht gehn?

Die Füsse, die nur stille stehn?

Wer sie mit reichem Schmuck bekleidt,

Der treibet grosse Ueppigkeit.