1. Der Himmlische Daphnis Christus nimmt die büssende Seel Clorinda wiederum zu ...

By Laurentius von Schnüffis

Written 1667-01-01 - 1667-01-01

Wie können jemal rechtgläubige Sünder

Zur Hoffnung sincken lassen ihren Muht

Da ich des ewigen Lebens Erfinder

Sie doch erlöset hab' mit meinem Blut?

Hab' ich sie dann jemahl auff dieser Welt

Mit rauhen Worten hundisch angebellt?

Ich hab' ja ihnen vor allen erwiesen

Ein' mehr als vätterliche Freundlichkeit

Sie gar zu Kinder und Erben erkisen

Als die mir angenehm insonderheit;

Warumb verzagest du ô Sünder dann

Als wär' ich grausamer als ein Tyrann?

Bin ich die Göttliche Güte nicht selber?

Ist meine Wesenheit dann nicht die Lieb?

Bin ich vor Grimmen dann bleicher und gelber

Als Schinis der verruchte Lebens-Dieb?

Ach nein ach nein ich bin derselbig nicht

Der seinen Feinden gleich den Halß zerbricht.

Ist auch ein eintziger Sünder zu finden

Dem zu verzeihen ich mich je beschwert?

Hab ich jemalen gelassen dahinden

Ein Schäflein welches meiner Hülff begehrt?

Was für ein Schäffer ist der zornig werd'

Wann sein verlohrnes Schäflein kehrt zur Herd?

Hab' ich so hefftig und blutig gestritten

Nur zu erlösen die gerechte Schaar?

Und nicht vielmehro den Tode gelitten

Die Sünder zu erretten der Gefahr?

Die grosse Lieb zu dir ô Sünder hat

Allein getrieben mich zu solcher That.

Weist du nicht daß mich die Juden gescholten

Daß ich der Sünder mich genommen an?

Hab' ich nicht immer mit Gutem vergolten

Das Böse so man mir hat angethan?

War' auch ein Mutter je wie ich so mild?

Wer kan mich halten dann für rauch und wild?

Als ich von Judas dort würcklich verrahten

Gelieffert ware schon an meine Feind'

Hab (ungeachtet der grausamen Thaten)

Ich dannoch ihn genennet einen Freund

Und hätt' der arme Tropff verzweifflet nicht

Ihm geben hätt kein saures Angesicht.

Gleichwie der Schatten urplitzlich muß weichen

So bald die helle Morgenröht erwacht

Und wie die liebliche Zephyr-Wind streichen

So bald der Winter sich von hinnen macht

Auch also eilends wird mein Zorn zerstreut

So bald der Sünder nur die Sünd bereut.

Wer aus Letæischem Wasserfluß trincket

Vergangner Sachen alsobald vergißt

Dann die Gedächtnuß ihm gäntzlich versincket

Und also alles was er je gewüßt:

So macht ô Sünder auch dein Thränen-Bach

Vergessen mich gleich aller Sünd und Rach.

Ein Feur wie sehr es auch tobet und brennet

Von vielem Wasser endlich wird gedemmt

Wer meine Flammen mit Thränen berennet

In kurtzer Zeit dieselbe stillt und hemmt:

Ein einigs Tröpfflein durch gepreßter Reu

Stillt mir den Zorn und macht die Liebe neu.

So gar die Löwen in völligem Wühten

Sind einer noch so wohl gesinnten Art

Daß sie mit Thränen sich lassen begüten

Verfahren nie mit nassen Augen hart:

Und solt ich als ein Löw dann wilder seyn

Von Thränen abgemahnet schlagen drein?

Ein' treue Mutter ihr Kindlein nicht hasset

Ob es ihr schon gebracht sehr grosse Qual

An statt des Zörnens es lieblich umbfasset

Gedenckt vor Lieb der schmertzen nicht einmal

Hat mehr Mitleyden mit dem armen Kind

Als daß sie solches unbarmhertzig schind'.

Laß den so schmertzlich gewonnenen Erben

Der zugefügten Qual entgelten nicht

Will ihr die Freude nicht selber verderben

So ihr von einem lieben Kind geschicht:

Siht wie ein Hertz-verwundter Pelican

Die Kinder-Lieb und nicht die Schmertzen an.

Hat auch ein' Mutter jemahlen gebohren

Die Kinder schmertzlicher als eben Ich?

Indem ich nemlich darüber verlohren

Mein theures Blut und Leben williglich?

Und sollt ich jetzund aller wild und thumm

So theur-erworbne Kinder bringen umm?

Der seiner Erbschafft heillose Verschwender

Mit keinem rauhen wörtlein wurd versehrt

Als er bereuet verlassen die Länder

Und zu dem Vatter wiederumb gekehrt

Mit einem süssen Kuß wurd' er gebüßt

Vor lauter Freud der Vatter wäinen müßt.

Ich bin ja dieser mitleydende Vatter

Der den Bereuten solche Lieb erzeigt

Laß' ihnen offen den Zuversichts-Gatter

Zur Sünd-Vergebung überaus geneigt

Wer seufzend nur: Ich hab gesündigt spricht

Hat sich vor meinem Zorn zu förchten nicht.

Wann schwartz der zornige Himmel bewettert

Mit grossem Krachen seine Plitze wetzt

Er nur die harte Vorwürffe zerschmettert

Was weich und lind ist bleibet unverletzt.

Der Degen in der Scheiden wird verzehrt

Die Scheid hingegen bleibet unversehrt.

Auch also werden die Sünder nicht fühlen

Meines geflammten Zornes Wetterstreich

Die meine Plitze mit Thränen abkühlen

Und haben eine Seel von Reu gantz weich:

Was soll das Schwerdt in des erzörnten Hand

Wo weder Feinde mehr noch Widerstand?

Bespiegelt euch nur an meiner Clorinden

Die mich beläidigt mehr als jemand hat

Doch nach begangnen unzahlbaren Sünden

Bereuet endlich ihre Missethat:

Darumb sie lieber mir als alle die

So mich auff solche Weiß beläidigt nie.

Dann ob sie schon mich zum höchsten betrübet

Mit ihrer lasterhafften Uppigkeit

Anjetzo dannoch so inniglich liebet

Daß sie zu sterben auch für mich bereit;

Hätt' sie beläidigt mich niemal so schwär

Zu solcher Lieb sie niemal kommen wär'.