1. Der Himmlische Daphnis eröffnet der büssenden Seel seine grosse Lieb/ und nim...

By Laurentius von Schnüffis

Written 1667-01-01 - 1667-01-01

Sie Lieb ist viel stärcker

Als Danaës Kärcker

Als alle der Erden

Jemal geweßte Riesen

Weil von diesen

Man noch loß offt könnte werden;

Aber wo die Lieb

Heimlich wie ein Dieb

Die Hertzen der Menschen hat gebunden

Wird die Kett' befunden

Mehr als tausendfach

So daß ihr die Rach

Und der Tod zu schwach.

Diß müßte erfahren

Der unter den Haaren

Die Stärcke getragen

Und tausend Philisteer

Noch viel eher

Als in einem Tag erschlagen;

Der den Löwen dort

Wehr-loß hat ermordt;

Die Pforten zu Gaza hingetragen

Und mit vielen Plagen

Seine Feind gedemmt

Von der Lieb gelämmt

Endlich wurd gehemmt.

Sie ist so gar meister

Auch über die Geister

Die oben beysammen

Dann sie den Cherubinen,

Seraphinen

Zugesetzt mit heissen Flammen;

Thronen Herrschafft Gwalt

Sie gefangen halt

Die Fürsten Ertz-Engl Engl Kräfften

Pflegen sie anzuhefften

An das Liebes-Band:

Es ist ja kein Stand

Frey von ihrem Brand.

Die Lieb ist so mächtig

Hochmühtig und prächtig

Daß sie sich eindringet

So gar auch in den Reyen

Höchster Zweyen

Und sie zu der Dreyheit zwinget

Bindet uns zusamm

Mit sehr heisser Flamm

Indem sie vom Vatter (zart gewehet)

Und von mir ausgehet

So daß auff dem Thron

Unter einer Cron

Sie die Dritt' Person.

Die Lieb ist geschäfftig

Tyrannisch und hefftig

Hat auch so gar dörffen

Mich Gottes Sohn verwunden

Und gebunden

In die Liebs-Gefängnuß werffen:

Dann als dorten Ich

Allzukümmerlich

Die Menschen im Elend hab erblicket

Hat sie mich verstricket

Mit dem Liebes-Seil

Daß ich umb ihr Heil

Mich gegeben feil.

Hab' müssen auff Erden

Ein blöder Mensch werden

Mit Fätschen und Windlen

Mich wegen ihrer Sünden

Lassen binden

Gleich den armen Adams-Kindlen

Stracks darauff müßt' ich fort

Nach dem Nilus-Port

Als einer der mißgehandlet ziehen

Vor Herodes fliehen

Welcher ohn' Ursach

Voller Neid und Rach

Mir gesetzet nach.

Als ich aus Aegypten

Mit meinen Geliebten

Nach Nazareth kehrte

Müßt' ich verächtlich leben

Mich dem geben

In Gehorsam der mich nährte:

Ohne Kräfften noch

Müßt' ich an das Joch

Der Himmel und Erden ich gezimmert

Umb dein Heil bekümmert

Müßte Herbergloß

Mich ergeben bloß

In der Armuht-Schoß.

In vielen Trangsalen

Und ängstigen Qualen

In stätem Arbeiten

Müßt' ich die Zeit zubringen

Mit nicht ringen

Wercken dir dein Heil bereiten;

Dreissig gantzer Jahr

Ich beschäfftigt war'

Mit allerhand kümmerlichen Wercken

Deine Seel zu stärcken

Auff daß nemlich du

Möchtest kommen zu

Der gewünschten Ruh'.

Drauff müßt' ich barfüssig

(Zu keiner Stund müssig)

Der Welt mich erklären

Und unerhört-viel leiden

Alles meiden

Was ein Tröstlein könnt' gebähren.

All mein Thun und Raht

War' ein Missethat;

Mit bösem wir haben es vergolten

Meine Werck gescholten

Ausgeruffen frey

Daß nur Zauberey

Mein Beginnen sey.

Sie haben mich endlich

Des Todes erkänntlich

Verfolget verhasset

Und mir mit schlauen Worten

Aller Orten

Wie die Schlangen auffgepasset;

Haben ihren Wuht

Und verkehrten Muht

Vielfältig an meinem Leib verübet

Auff das höchst betrübet

Daß mit Blut so gar

Ich in Tods-Gefahr

Ubernommen war'.

Ich müßte gefangen

Darreichen die Wangen

Den Speychlen und Schlägen

Und zu dem Tod erkennet

Sturm-berennet

Mich zu ihren Füssen legen:

Geißlen Dörner-Cron

Grossen Spott und Hon

Ja endlich das schwäre Creutz gar tragen

Schwach zerfetzt zerschlagen

An den Creutzes-Pfal

Hilff-loß überall

Sterben voller Qual.

Zu diesem mich triebe

Die grausame Liebe

Die also gehauset

Mit meinem treuen Hertzen

Daß vor Schmertzen

Auch der Sonnen hat gegrauset

Welche ihren Schein

Gantz gehalten ein;

Die Felsen vor Unmuht sind zerspalten

Gantz darfür gehalten

Daß der jüngste Tag

Wegen meiner Plag

Würcklich sich zutrag.

Nach dem ich ich verschieden

War' noch nicht zu frieden

Die grausame Liebe

Dann sie da ich gestorben

Sich beworben

Wie sie an mir noch übe:

Durch Longinus Hand

Der sich da befand

Durchstache mein Hertz mit solchem Trucken

Daß auch durch den Rucken

Gangen das Gewehr

Wann es nicht so sehr

Selbst erschrocken wär'.

Das Elend der Seelen

Mich machte erwehlen

Viel lieber zu sterben

Als sie vor Augen sehen

In den gähen

Sünden-Fahl hilff-loß verderben:

Hab mit meinem Blut

Sie der Höllen-Glut

Und aller Gefährlichkeit befreyet

Mit der Gnad beschneyet

Und so schön gemacht

Daß mein Hertze lacht

Wann ich sie betracht?

Die frey sich befinden

Von tödtlichen Sünden

Nach bestem Vermögen

Auch hüten vor den kleinen

Mich als einen

Bräutigam zur Lieb bewegen:

Wer die Sünde flieht

Mein Hertz an sich zieht

Gleich wie der Magnet anzieht das Eisen;

Diese Art der Weisen

Pfleg ich innerlich

Wie ein Liebster sich

Zu erzeigen mich.

Wer hertzlich mich liebet

In Tugend sich übet

Und embsig befleisset

Den Hauffen meiner Ehren

Zu vermehren

Mit Gewalt mich zu sich reisset:

Da muß ich dann seyn

Und geschlossen ein

Mit hertzlicher Lieb vereinigt wohnen

Seine Lieb belohnen

Auff ein solche Art

Die nur der erfahrt

Der mich liebet zart.

Dergleichen Leut scheinen

Von Edelgesteinen

Der Tugend so prächtig

Gleich wie die Tages-Böttin

Farben-Göttin

Wann sie nun der Wolcken mächtig:

Diese weit vor Ihr

Wohlgefallen mir

Weil nemlich ihr Schönheit nie verschwindet

Standhafft sich befindet

Auch bey dunckler Nacht:

Dann der Tugend Pracht

Alles heiter macht.

Wer seine Sünd' hasset

Reumühtig verlasset

Hat Gnade gefunden:

Dann wer mit Reu benetzet

Stracks verletzet

Mich mit tieffen Liebes-Wunden:

Seine Lieb ist gar

Ein verführend Haar

So meine Seel tausendfach gefangen

Listig hindergangen

Daß ich seiner Schoß

Wär' ich noch so groß

Nicht kan werden loß.

Darumben so komme

Mein schöne und fromme

Clorinda nun deines

Verlangens zu geniessen

Einzuschliessen

Dein verliebtes Hertz in meines;

Ich bin nunmehr dein

Du hingegen mein

Auff ewig will ich mich dir vermählen

Es soll dir nicht fehlen

Beyde wöllen wir

Seyn getreu ich dir

Du hingegen mir.

Vergesse ich deiner

So wil ich selbst meiner

Auch nicht mehr gedencken

Viel minder meiner Knechten

Dir verschmächten

All mein Gut und Reichthumm schencken

Meine Zung am Gaum

Kleben soll wie Schaum

Wann jemal ich deiner soll vergessen

Dann du hast besessen

Mein Gemüht so sehr

Daß ich nimmermehr

Es von dir abkehr'.