1. Die in Sünden Sorg-loß schlaffende Seel Clorinda wird von dem Himmlischen Dap...

By Laurentius von Schnüffis

Written 1667-01-01 - 1667-01-01

Auff träge Seel auff auff

Dem Untergang entlauff

Dein Schlaffen ist sterben

Dein Ruhen verderben

Dein Leben ist träumen

Dein Warten versäumen

Du hast sehr hohe Zeit

Auff auff von hinnen weit.

Die Schlaff-Sucht ist fürwahr

Ein Ubel voll Gefahr

Verstopffet der Sinnen

Vernünfftigs Beginnen

Entkräfftet die Glieder

Schlägt Helden darnieder

Sie macht die Weise tumb

Und stoßt die Riesen umb.

Der Schlaff und Tode seind

Die allernächste Freund:

Viel haben ihr Leben

Im Schlaffen auffgeben

Seind todtes verfahren

In blühenden Jahren:

Schandlich wurd Isboseth

In süssem Schlaff getödt.

Was hatte Holofern

Im Schlaff nicht für Unstern?

Er wurde geschoren

So daß er verlohren

Den Sieg und darneben

Den Kopff und das Leben:

Der Schlaff hat ihn verkürtzt

Und in die Höllgestürtzt.

Als dorten müd und schwach

Elias schlieffe: sprach'

Der Engel des Herren:

Wie lang soll es währen?

Was soll das besinnen?

Auff eilends von hinnen

Auff auff da ist kein Ort

Zu schlaffen du must fort.

Ein Räißmann der nur schlafft

Sehr wenig Nutzen schafft

Versaumet sein Glücke

Bleibt immer zurücke

Wird gähling benachtet

Von Mördern geschlachtet:

Das Schlaffen endlich war'

Der Troja Todtenbar.

Das Schiff als ich dort schlieff'

Schon sinckte nach der Tieff'

Es fiengen die Wällen

An grausam zu bellen

Der Oeolus saußte

Neptunus sehr braußte:

So bald ich nur erwacht

Wurd gleich der Fried gemacht.

Morpheûs, der falsche Dieb

Ein Kuppler geiler Lieb

Bezaubert mit Schertzen

Die schlaffende Hertzen

Macht stattliche Beuten

Bey müßigen Leuten:

Schickt sie nach langer Ruh'

Der Höllen endlich zu.

Als Gott dem Adam dort

Eingab' den schönen Ort

Da heißt' Er ihn schaffen

Nicht ruhen und schlaffen.

Vor allen Gefahren

Den Garten verwahren

Des Müßigganges Schlaff

Bracht' ihn in grosse Straff.

Wie lang O Seel wie lang

Wilst in dem Müßiggang

Im Bette der Sünden

Dich schlaffend befinden?

Das Leben hinschleichet

Die Gnaden-Zeit weichet

Du bist schon allbereit

Am Thor der Ewigkeit.

Du weißst daß dorten ist

Kein Ort der Gnaden-Frist:

Wer diese verschertzet

Vergebens behertzet

Nachmalen den Schaden

Kommt nimmer zu Gnaden:

Aus diesem vesten Hauß

Kan niemand reissen auß.

Die Reu und guter Raht

Seind läider dann zu spaht:

Noch Bitten noch Weynen

Noch Klagen noch Greynen

Noch Fluchen noch Schwören

Noch Augen-verkehren

Wird aus der Höllen-Schoß

Dich können würcken loß.

Wie wird nicht in dem Feur

Das Schlaffen werden theur

Wann Wollust in Plagen

Wann Jauchtzen in Klagen

Das Schimpffen und Schertzen

In Trauren und Schmertzen

Dort wird verkehren sich

Und währen ewiglich.

Dir wird Machiavell,

Die aller Boßheits-Quell

Die Qualen der Höllen

Nicht können abstellen

Sein Freyheit-erdichten

Und Tugend-vernichten

Man in der andern Welt

Für gar ungültig hält.

Die Höll (nach seiner Lehr

Ein' Fabel) brennt nun sehr

Hat läider erfahren

Nach Länge der Jahren

Wie grausam die Flammen

Dort schlagen zusammen:

Aus diesem nur Gedicht

Ist worden ein Geschicht.

Glaub' nicht daß dein Unglaub

Die Höll der Hitz beraub'.

Die Sonne nicht minder

Ob gleichwol ein Blinder

Dieselbe verneinet

Ohn' Underlaß scheinet:

Des Blinden Boßheit macht

Das Liecht zu keiner Nacht.

Ach bau' Clorinda nicht

Auff blosse Zuversicht!

Das Hoffen betrieget

Die Zuversicht lieget

Ihr theures Versprechen

Pflegt Clotho zu brechen

Der Tod betrieget offt

Kommt still und unverhofft.

Als König Balthasar

In besten Freuden war'

Und ihne das Glücke

Durch göldene Blicke

Der Gnaden verbürget

Da wurd' er erwürget

Und warm fein an der Stell

Geschickt hinab zur Höll.

Aman nichts minder als

Sorgsam für seinen Hals

Sich frölich erzeigte

Vor keinem sich neigte

War' herrlich und prächtig

Glückseelig und mächtig:

In einem Augenblick

Müßt' er fort an den Strick.

So mache dich dann auff

Clorinda renn' und lauff'

Wirst länger da schlaffen

So warte der Straffen

Ich werde dich hassen

Und ewig verlassen:

Schau' daß alsdann von mir

Nicht schmertzlich traume dir.