1.Die Einsetzung deß Abendmahls

By Andreas Gryphius

Written 1640-01-01 - 1640-01-01

Als das Fest der Ostern nahe:

Vnd der HE rr Messias sahe

Daß Ihn Judas schon bedacht

Zu liefern in der Feinde Macht.

Wolt' Er das Gesetz erfüllen

Seines Vaters Eyfer stillen

Vnd der Höll' erhitzte Glut

Außleschen durch sein reines Blut.

Drumb hieß Er zwey Jünger gehen:

Vnd den Speise-Saal bestehen

In dem vor der letzten Stund

Er könnt' auffrichten seinen Bund.

Als sich nun der Tag geneiget:

Kam auff dehn das La i gezeiget:

Das durch Blut den Würger stillt:

Vnd erster Mütter Frucht erhilt.

Vnd nach dem Er vnser Leben

Sich hat' an den Tisch begeben

Sprach Er zu der Jünger Zahl:

Wie offt wüntscht ich nach diesem Mahl!

Wie hab ich mit euch begehret

Eh' der Creutz-Tod mich beschweret

Diesen Abschied zu begehn

Der mich mein höchstes Pfand sol stehn!

Liebsten glaubt: es geht aufs scheiden

Ich kan weil ich nun muß leiden

Vnd zum Thron gehn durch viel Schweiß

Nicht essen mehr die Oster-Speiß.

Man wird mir den Safft der Reben

Künftig nicht zu trincken geben

Bis mein aufferweckte Leich

Beherrschen wird deß Vatern Reich.

Vnd in dem die Jünger aßen:

Nam Er recht bedachter maßen

Das Ihm vorgelegte Brodt

Vnd danckte wie gewöhnlich Gott.

Brachs gabs vnd spach: Nembt vnd esset

Diß ist mein Leib: vnd ermesset

Daß der für euch hingereicht

In herber Todesangst erbleicht.

Als das Mahl zu ende kommen

Hat Er Wein im Kelch genommen

Vnd bot den der werthen Schaar

Zum Zeichen heisser Liebe dar.

Nemt (die Worte ließ Er hören)

Was ich kan zu letzt verehren:

Alle trinckt: diß ist mein Blut.

Diß ist die purpurrothe Fluth

Die für Euch vnd viel wird müssen

Mit fünfffachen Strömen fliessen

Zu zahlen was die verderbt.

Die Adams Schuld auff sich geerbt.

Der Bund ist Neu' vnd erhellet

Was im Alten vorgestellet:

Dort sind Schatten: Hier steht klar

Was dort nur abgebildet war.

Ihr hierbey mögt stets bedencken

Daß Ich euch nicht mehr kan schencken

Vnd das nicht sey grösser Huld

Als wenn man stirbt vor fre ide Schuld.

Lob sey dir O wahres Leben:

Das für vns vnd vns gegeben

Durch den Tisch den du beschickt

Mein nach dir schmachtend Hertz erquickt.