1.Die Einsetzung deß Abendmahls
Written 1640-01-01 - 1640-01-01
Als das Fest der Ostern nahe:
Vnd der HE rr Messias sahe
Daß Ihn Judas schon bedacht
Zu liefern in der Feinde Macht.
Wolt' Er das Gesetz erfüllen
Seines Vaters Eyfer stillen
Vnd der Höll' erhitzte Glut
Außleschen durch sein reines Blut.
Drumb hieß Er zwey Jünger gehen:
Vnd den Speise-Saal bestehen
In dem vor der letzten Stund
Er könnt' auffrichten seinen Bund.
Als sich nun der Tag geneiget:
Kam auff dehn das La i gezeiget:
Das durch Blut den Würger stillt:
Vnd erster Mütter Frucht erhilt.
Vnd nach dem Er vnser Leben
Sich hat' an den Tisch begeben
Sprach Er zu der Jünger Zahl:
Wie offt wüntscht ich nach diesem Mahl!
Wie hab ich mit euch begehret
Eh' der Creutz-Tod mich beschweret
Diesen Abschied zu begehn
Der mich mein höchstes Pfand sol stehn!
Liebsten glaubt: es geht aufs scheiden
Ich kan weil ich nun muß leiden
Vnd zum Thron gehn durch viel Schweiß
Nicht essen mehr die Oster-Speiß.
Man wird mir den Safft der Reben
Künftig nicht zu trincken geben
Bis mein aufferweckte Leich
Beherrschen wird deß Vatern Reich.
Vnd in dem die Jünger aßen:
Nam Er recht bedachter maßen
Das Ihm vorgelegte Brodt
Vnd danckte wie gewöhnlich Gott.
Brachs gabs vnd spach: Nembt vnd esset
Diß ist mein Leib: vnd ermesset
Daß der für euch hingereicht
In herber Todesangst erbleicht.
Als das Mahl zu ende kommen
Hat Er Wein im Kelch genommen
Vnd bot den der werthen Schaar
Zum Zeichen heisser Liebe dar.
Nemt (die Worte ließ Er hören)
Was ich kan zu letzt verehren:
Alle trinckt: diß ist mein Blut.
Diß ist die purpurrothe Fluth
Die für Euch vnd viel wird müssen
Mit fünfffachen Strömen fliessen
Zu zahlen was die verderbt.
Die Adams Schuld auff sich geerbt.
Der Bund ist Neu' vnd erhellet
Was im Alten vorgestellet:
Dort sind Schatten: Hier steht klar
Was dort nur abgebildet war.
Ihr hierbey mögt stets bedencken
Daß Ich euch nicht mehr kan schencken
Vnd das nicht sey grösser Huld
Als wenn man stirbt vor fre ide Schuld.
Lob sey dir O wahres Leben:
Das für vns vnd vns gegeben
Durch den Tisch den du beschickt
Mein nach dir schmachtend Hertz erquickt.