[1] Gedancken über etliche Personen in einer WirthschafftFußnoten
By Friedrich Rudolph Ludwig von Canitz
Written 1676-01-01 - 1676-01-01
O hab ich mich verirrt? wo bin ich eingekehret?
Warum ist dieser Ort so herrlich ausgerüst?
Es scheinet, wo ich bin, daß auch mein Tempel ist,
Weil hier, als Göttin, mich so manches Volck verehret.
Man zittert nun nicht mehr vor Ketten und vor Banden,
Ist in der Barbarey ein solches Bild vorhanden,
So wird dort mit der Zeit an Fesseln Mangel seyn:
Denn wer nur sehen darf, stellt sich zum Sclaven ein.
Kein Ottomanner-Printz mit allen seinen Reichen,
Ist mir an Tapfferkeit und Ansehn zu vergleichen.
Nur eins macht, daß ich nicht unüberwindlich bin:
Die ungemeine Zier der holden Käyserin.
Kommt, laßt uns wieder gehn, und zu den Schaafen kehren,
Die Liebe möchte sonst uns alle Ruh verstören.
Ey was vor schönes Volck kriegt man allhier zu sehn!
Die Unschuld leidet Noth; kommt, laßt uns wieder gehn!
Nehmt eure Hertzen wohl in acht,
Die ihr diß Lumpen-Volck nicht kennet,
Das nur auf Mord und Raub durch Land und Städte rennet,
Sie haben viele hier schon in Gefahr gebracht.
Sie zeigen unser Glück und Unglück richtig an,
Dieweil ihr Ja und Nein uns beydes schaffen kan.
So groß ist unsre Glut in treu-verliebten Hertzen,
Als diese, die so sehr die Haut uns können schwärtzen.
Doch das ist Wunderns-werth in unserm Mohren-Land:
Wir beten das noch an, was uns so schwartz gebrannt.
Der Küch und Keller kan in gutem Stand erhalten,
Muß billig diesesmahl des Hauß-Knechts Amt verwalten,
Ihn lobt ein jeder Gast, denn, wo sein Stab sich rührt,
Es sey Schertz oder Ernst, wird Uberfluß gespührt.
Ich bin auf diesem Plan mit Theriack erschienen,
Mit Balsam und Extract, ich gebe guten Kauff;
Es komme wie es will, hört gleich mein Handel auf,
So kan – – – – mir neues Geld verdienen.
Ich bin auf Schacherey und auf Betrug bedacht,
Und manchen falschen Stein hab ich schon angebracht.
Lacht nicht, ihr, die ihr seht zwey Weiber mit mir wandeln:
Wer Lust zu kauffen hat, kan eine von mir handeln.
Es mögen andre sich verkleiden,
Mein Leib kan nicht Verstellung leiden,
So wenig als mein treuer Sinn.
Drum zeig ich mich, auch selbst am Fest der Freuden,
So wie ich von Natur beschaffen bin.
Wer ist der Wunder-Peltz behängt mit hundert Schwäntzen,
Die uns der Kürschner hohlt von Ruß-Lands kalten Gräntzen?
Man sagt, daß Prügeln dort der Liebe Zeichen sey,
Warum schlägt ihr der Mann nicht Arm und Bein entzwey?
Die dieses Gärtner-Weib in ihrer Einfalt schauen,
Die glauben nicht zu sehr dem frommen Angesicht!
Den stillen Wassern ist am wenigsten zu trauen,
Wißt, daß man viel von ihr und dem Apthecker spricht.