[1] Glückwunsch-Schreiben an seinen Hertzens-Freund, Herrn Eusebius von Brand, a...
By Friedrich Rudolph Ludwig von Canitz
Written 1676-01-01 - 1676-01-01
Vergönne mir, mein Freund, daß ich dir etwas stiffte,
Das länger dauren soll, als Ertz und Marmelstein,
Mich freut dein Wohlergehn, drum fahr ich durch die Klüffte,
Die zwischen dir und mir nunmehr befestigt seyn.
Du wirst des Fürsten Raht im allerhöchsten Orden,
Da dieser Nahme sich bey mir im Schatten weist,
Und bist, im rechten Ernst, zur Excellentz geworden,
Da mich mein Bauer kaum: Gestrenger Juncker! heißt.
Getrost! ein gleicher Blick wird auch auf diese Zeilen
Und meine Niedrigkeit von deinem Gipffel gehn,
Als du dich nicht geschämt, den Briefen zu ertheilen,
Die dir, von Wort zu Wort, noch im Gedächtniß stehn.
Du hast dich nimmer nicht, noch andre, so vergessen,
Daß man Veränderung an dir befürchten kan,
Noch, nach der Aemter Maaß, die Freundschafft abgemessen,
Du sahst die Redlichkeit, und nicht den Purpur, an.
So ist ein ieder froh, daß Friedrich dich erhoben,
Daß endlich dich das Glück erwischet bey der Hand,
Und, gleichsam mit Gewalt, auf einen Ort geschoben,
Den dir Verdienst und Wunsch schon lange zuerkannt.
Dann mit der Mutter-Milch hast du den Trieb gesogen,
Den deines Bruders Zucht vollkommener gemacht,
Des Bruders, dessen Lob Europa durchgeflogen,
Der euren Sieben-Stern zum Vorschein hat gebracht.
Wie rühmlich du die Zeit auf Schulen angeleget,
Das gab uns zu verstehn das tief-gelehrte Blat,
Dadurch Arminius ward in der Grufft beweget,
So bald der muntre Brand nur auf den Lehr-Stul trat;
Hernach nahmst du den Weg nach weitentlegnen Orten,
Und ludest da dein Schiff mit solchem Zeuge voll,
Das dir den Grund gelegt zu einer Ehren-Pforten,
An der die späte Welt dein Denckmahl lesen soll.
Die Seine mit der Theems zusamt der Norden Kronen,
Die sahen so entzückt dich edlen Märcker an,
Als der, so erst gesehn, daß Moskau die Melonen
So gut und besser noch, als Welschland, zeugen kan.
Bald wurdest du entdeckt von Friedrich Wilhelms Blicken,
Du hörtest sein Geheiß, daß eine Prüfung war,
Wie du zu seinem Dienst dich künfftig würdest schicken,
Und legtst ein Meister-Stück, an statt der Probe, dar.
Sarmatien zürnt noch, weil jenen Haupt-Rebellen
Dein Arm aus seinem Schutz und seinem Schoosse riß,
Nachdem du ihm gewust so künstlich nachzustellen,
Daß er, als wie ein Hecht, an deine Darge biß.
Es würde sich mein Kiel auf halbem Weg ermüden,
Wenn er mit gleichem Schritt verfolgte deinen Lauff;
Wie du ihn fortgesetzt in Waffen und im Frieden,
Das alles zeichnen schon die Tage-Bücher auf.
Uns ist ja deine Müh und Wachen unverborgen,
Als du ein Krieges-Heer genehrt mit Uberfluß;
Und wie du für die Pracht des Fürsten kontest sorgen,
Bezeigt dein Marschallstab bey jenem Frieden-Schluß.
Zuletzt hast du den Staat zwo theurer Princeßinnen
Von vielen Jahren her zu deinem Ruhm geführt,
Davon die erste schon der Sternen hohe Zinnen,
Die andre noch die Welt, als wie ein Wunder, ziert.
Dein Churfürst, welchem sie der Himmel auserlesen,
Stellt dich zum Ober-Haupt bey ihrem Hofe vor,
Der einem Helikon so lange gleich gewesen,
Als du Apollo warst in unserm Musen-Chor.
Weil auch die holde Schaar noch deiner Hut vertrauet,
Dazu so viel Gedult als viel Verstand gehört,
So hast du sie mit Lehr' und Leben so erbauet,
Daß auch kein Fehltritt nie dein hohes Ammt entehrt.
Der Argus konte dort nicht eine Kuh bewachen,
Als ihm des Kupplers Lied die hundert Augen schloß,
Hier aber konte nichts dein Aufsehn irre machen,
Dir war auch eine Zahl von zwölffen nicht zu groß.
Ihr Schönen, lasset euch dis Gleichniß nicht verdriessen,
Ein Anblick solcher Kuh hat Hertzen angesteckt;
Es warf sich solcher Kuh ein Jupiter zu Füssen,
Es lag in solcher Kuh ein himmlisch Bild verdeckt.
Doch wird auch dieser Kreiß dir mit der Zeit zu enge;
Der Landes-Vater sinnt auf deiner Tugend Lohn,
Und rufft dich, mit Bedacht, aus seiner Diener Menge;
Du sollst mit weisem Raht nun stützen seinen Thron.
Mit was Bescheidenheit sehn wir dein Antlitz gläntzen,
Als man dir den Beruff zur neuen Würde bringt,
Und wie schallt diese Post so bald durch fremde Gräntzen,
Weil Namurs Ubergab zu gleicher Zeit erklingt.
Zu Cotbuß höret man halb Unteutsch von dir sprechen:
Hihr Leute wißth ihr wol, was hunser Optmann ist?
Und dieses Wenden-Volck hälts für ein Amts-Verbrechen,
Wann es an deiner Schrifft nicht Hand und Siegel küßt.
Doch das Vergnügen bleibt nicht nur bey den Barbaren;
Wie als Geheimen Raht dein Gustgen dich umfaßt,
Mag ein Geheimniß seyn, das du allein erfahren,
Auch wie du dein Geschlecht durch dich erbauet hast.
Mehr als ein grosses Land bejauchzet dein Erhöhen,
Insonderheit die Marck hat Ursach stoltz zu seyn,
Und schnitzt zu Hermensdorff an den berühmten Seen,
Was du geworden bist, in allen Eichen ein;
Die wohlgetroffne Wahl hat allen deinen Freunden
Ein unverhofftes Fest der Freude zugericht;
Wobey der blasse Neid sich schämt, dich anzufeinden,
Und keinen Nessel-Strauß in deine Kräntze flicht.
Indessen glaube mir, daß, da ich dieses tichte,
Ein ungewohnter Zug mir selber mich entreißt,
Der, nach Propheten-Art, dir ewiges Gerüchte
Ein hohes Alterthum und stetes Glück verheißt.
Ich seh, als im Gesicht, was andre von dir hoffen,
Da die Gelegenheit dich zu was seltnem treibt:
Dir steht ein neues Feld zu neuen Thaten offen,
Dran mancher Puffendorf sich noch zu Tode schreibt.