1. Jungfrau und Wächter .

By Clemens Brentano

Von hoher Art ein Fräulein zart,

Hört ich dem Wächter klagen,

Aus Herzens-Qual, zum erstenmal

Wollt sie die Liebe wagen,

Sie sprach: „Geselle mein Ungefälle

„ist nah und bringt mir Schmerzen,

„ach Wächter gut, ein argen Muth

„trag ich in meinem Herzen.“

„einem werthen Mann, dem wünsch ich an,

„viel Glück und Heil mit Treuen,

„sein Tugend groß findt niemand blos,

„auf ihn ist wohl zu bauen,

„daß er wohl sey alles Wandels frey,

„ein Mann von hohen Ehren.“

„o Wächter mein, mag es wohl seyn,

„so hilf mir Freude mehren.

„gut, Wächter! ich kann ihn ohne dich,

„in mein Gemach nicht bringen,

„o wolle mir nach meiner Begier,

„mein Leid nun helfen wenden,

„ich sag fürwahr, daß immerdar

„mit Gab ich dir's vergelte,

„kömmt er herbey, gut Wächter frey,

„den Gast gen niemand melde.“