1. Uber meine einig- und äusserst-geliebte Seelen-Göttin / die Himmlische Deoglo...
By Catharina Regina von Greiffenberg
Written 1647-01-01 - 1647-01-01
Deoglori, Himmels Zier
und der Erden wehrte Sonne
meiner Seelen Seel und Wonne
mein verlangen Wunsch und Gier
mein Herz-auserlesnes Leben!
dir bin ich so gar ergeben
daß mit Freuden dir zu lieb
ich Leib Gut und Blut aufgib.
Ach du meine Denke-Lust
meiner Sinnen Sehnungs-Ziele
meines Geistes Freuden-Spiele
ohne die mir nichts bewust!
wann werd' ich das Nectar-fliessen
deiner Gegenwart geniessen?
wann wird schönster Strahlen-Schein
deine Klarheit bey mir seyn?
Wann im Sternen-bunten Thron
ich im höchsten Grad solt schweben;
wann das Glück mich wolt erheben
gäb mir aller Kronen Kron;
wann ich Cäsars Welt-besiegen
oder dich mein Lieb solt kriegen:
wär es (O der Liebes-Macht!)
gegen dich vor nichts geacht.
Deoglori bleibt mein Herz
wann auch meines längst verwesen.
Sie hab' ich so fäst erlesen
daß kein Welt-ersinnter Schmerz
keine Mensch-erdenklichkeiten
sie vermögen auszureuten.
Alles alles ist umsonst
auszulöschen meine Brunst.
Ach mein Seel-versenktes süß
ein-geherzte Freuden-Flammen!
viel eh ich den Lebens-Stammen
als dein Bild verletzen ließ.
keine Trennung nicht empfinder
das was selbst der Himmel bindet.
Unauflösllich ist das Band
von der Welt-Erbauungs-Hand.
Komme mein erseufzter Trost!
mich recht Englisch froh zumachen
Ach beglückte Müh' und wachen
ob ihr mich viel Krafft gekost!
tausendfach-belohntes sehnen!
Nectar-süß ergetzte Thränen!
Ach der überschwänglich Sieg!
wann ich Deoglori krieg.