10. Clorinda bewäinet ihr unmenschliche Grausamkeit/ so sie sowol gegen ihr eign...

By Laurentius von Schnüffis

Written 1667-01-01 - 1667-01-01

Was Ubels an Jerusalem

Antiochus vollbracht

Indem er es zu einer Schwemm

Der Thränen hat gemacht:

Den Tempel rein geplündert auß

Die Stadt biß auff das letste Hauß

Verwüstet und verstört

Nur nicht gar umbgekehrt.

Das hab' an meiner Seelen ich

Auch allerdings verübt

Indem ich sie stieffmütterlich

Biß in den Tod betrübt:

Ich hab' Sie als das Oberhaupt

Der Herrschung meines Leibs beraubt

Und immer nur veracht

Zur Sclavin mir gemacht.

In meiner zarten Jugend noch

Hab ich sie unterdruckt

Unbändig ihrem Tugend-Joch

Mich meisterlich entzuckt:

Den Schatz der Unschuld hab' ich ihr

Entfremmt eh' sie vernünfftig schier

Ja mörderisch verletzt'

In armen Stand gesetzt.

Man sagt was einer bösen Art

Die Manticora sey

Ein Thier von Zähnen scharff und hart

Sehr grausam auch darbey

Groß wie ein Löw Haarlocken-reich

Von Angesicht den Menschen gleich

So seinen wilden Wuht

Erkühlt mit Menschen-Blut.

Die Manticor' so wild wie ich

Niemahlen sich verhält

Dann sie aus Hunger nur dem Vieh-

Und Menschen-Fleisch nachstellt:

Ich aber habe (läider ach!)

Den Seelen auch gesetzet nach

Sie mörderisch versehrt

Zerrissen und verzehrt.

Was für ein grosse Missethat

Hat Cain nicht vollbracht

Als er dort seinen Bruder hat

Zu einer Leich gemacht:

Wann Menschen-Blut gen Himmel schreyt

Wie wird nicht seyn vermaledeyt

Der eine Seel bezwingt?

Und umb das Leben bringt?

Ein Basilisc mit schauen an

So gar zu töden pflegt

Der Seelen doch nicht schaden kan

Wann er den Leib erlegt

Ich aber voller argen Tück

Durch geil-vergiffte Liebes-Blick

Den Seelen wie ein Pest

Gegeben hab' den Rest.

Unmenschlich Diomedes war'

Und tausend Höllen werth

Weil er mit Menschen-Fleisch so gar

Gespeiset seine Pferdt:

Ich aber böse Jezabel

Hab' manche fromm und edle Seel

Dem Höllen-Beel-phegor

Zur Speiß geworffen vor.

Dem Jasons-Weib war' auff der Welt

Zu grausam keine That

Als die zerrissen wie man meldt

Ihr' eigne Kinder hat:

Den Bruder in viel Stuck verzehrt

Den Mann verfolget unerhört:

Sein Hauß mit Feur berennt

Sammt neuen Weib verbrennt.

Daß aber ein so grosse Rach

Medea hat verübt

Gab Jason dessen ihr Ursach

Weil er sie höchst betrübt

Indem er sie von seinem Hauß

Ehbeth und Lieb gestossen auß

Ein anders Weib getraut

Die nicht mehr angeschaut.

Ich aber mit den Seelen bin

Grausam gegangen umb

Hab' Türckisch sie gerichtet hin

Und wußte nicht warumb?

Die Lieb allein die Ursach war'

Daß ich an der bethörten Schar

Vorauß die mich geliebt

Dergleichen Mord verübt.

Procrustes ein verruchter Mann

Begierig auff die Beut

Geschlachtet hat wie ein Tyrann

Die Weeg-verirrte Leut

Hat doch ob er fürsichtig schon

Empfangen endlich seinen Lohn:

Theseûs hat ihn erhägt

Und mit dem Schwerdt erlegt.

Ich aber hab die Seelen-Mord

Begangen so verdiebt

Daß man mich dannoch immerfort

An Hassens-statt geliebt:

Wie Moloch dort das Götzen-Bild

So mit den Kindern haußte wild

Die man ihm schlachten müßt

Doch göttlich wurd gegrüßt.

Busiris, der den Göttern auch

Geschlachtet seine Gäst'

Ist nicht wie ich so wild und rauch

Gewesen glaub' ich vest

Dann er vermeinte dieses wär'

Gefällig dem Gott Jupiter,

Ich auch der Seelen nach

Thät es zu Gottes Schmach.

Ein so Blut-durstigs Löwen-Hertz

Gehabt hat Phalaris,

Daß einen Ochsen er von Aertz

Zur Marter giessen ließ

In welchen er gesperret eyn

(Der Meister müßt der erste seyn)

Die Menschen und im Feur

Verbrennet ungeheur.

Ich hab' gar die Plutonische

Schwitz-Oefen eingeheitzt

Indem ich das Adonische

Volck zu der Lieb gereitzt:

Wer sich aus ihnen nicht bekehrt

Unfehlbar wird darein gesperrt

Und immer immer fort

Gemartert werden dort.

Was könnte doch so grausam seyn

Als der Medusa Haupt

So stracks verkehrt in einen Stein

Den der es angeschaut:

Ich auch von keiner bessern Art

Die Leut mit meiner Gegenwart

Zur Christlichen Andacht

Hab' Diemant-hart gemacht.

Wie groß ô höchst-erzörnter Gott

Ist meine Boßheit nicht

Indem ich fast ein gantze Rott

Der Seelen hingericht!

O wär' ich Æsculapius,

So wolt' ich (durch das Kraut der Buß)

Erwecken aus dem Grab

Die ich entseelet hab'!

Orpheûs mit seiner Lauten hat

Sein Weib der Höll entführt

Als er auff wohlbeglücktem Raht

Die Seyten süß gerührt:

O wär ich jetzt an Orpheûs Stell

So wolt' ich aus der Sünden-Höll

Erlösen wiederumb

Die ich gemacht unfrumb.

Doch seynd noch übrig alle beyd'

Des Æsculapen Kraut

Und für das lange Höllen-Leyd

Des Orpheûs süsse Laut:

Das Kraut der Buß das Leben bringt:

Des Creutzes-Spiel die Höll bezwingt:

Gebraucht euch dieser Kunst

So brennt die Höll umsunst.