10. Clorinda erfreut sich deren so viel ausgestandenen Beschwärnussen und Widerw...

By Laurentius von Schnüffis

Written 1667-01-01 - 1667-01-01

Es ist des Himmels Schluß

Den Faulen zum Verdruß

Daß niemand werd' belohnt

Der treulich nicht gefrohnt;

Vor ausgeraufftem Dorn

Wachßt weder Wein noch Korn;

Ein ungebautes Land

Bringt wenig Frucht der weich- und zarten Hand.

Dem Jäger in der Ruh'

Laufft das Gewild nicht zu

Muß sich bewerben lang

Umb einen guten Fang:

Man schlupfft nicht ein so gleich

In das Schluraffen Reich:

Nach dem Land Canaan

Hat Josuë viel harte Tritt gethan.

Das hat schon Rom erkennt

Und sinnreich eingewendt

Indem' es auffgeführt

Ein Hauß sehr schön geziert

Woraus es wohl bedacht

Zwey Tempel hat gemacht;

Der Arbeit einer zwar

Der andere der Ehr geheiligt war'.

Zum Ehren-Tempel doch

War' weder Thür noch Loch

So daß man gehn hinein

Nicht könnte dann allein

Nur durch der Arbeits-Thür

Die offen für und für:

Der faulen Burst zur Lehr

Daß ohne Mühe zu hoffen sey kein Ehr.

Es war auff einem Feld

Ein schönes Obs-Gewäld

So voll der Früchten war'

Von reinstem Gold so gar;

Ein Drack' lag' aber vor

Des Gartens starcken Thor

Wer was von dieser Frucht

Wolt' haben mußt' ihn schlagen in die Flucht.

Das schöne Paradeiß

Vor diesem hatt den Preiß

Dann dieses Früchte trägt

Die man auch Gott vorlegt

Doch steht an Drackens Stell

Ein Creutz am Thür-Geschwell;

Wer dieses auff sich nimmt

Dem ist zu Lohn das Paradeiß bestimmt.

Wer aber allerseits

Nur fliehen will das Creutz

Ohn' alle Arbeit seyn

Den laßt man dort nicht ein;

Dann wer des Creutzes Feind

Der ist nicht Daphnis Freund

Und wer ein solcher ist

Der wird erkennet nicht zu seyn ein Christ.

Das Leyden ist ein Spiel

Dem auffgesetzt sehr viel;

Dem Sieger ist bereit

Die Cron der Seligkeit;

Wer sich darumb nicht reißt

Und Krafft-gemäß befleißt

Nur fliehen will die Mühe

Der wird niemalen auch bekommen Sie.

Der nicht versucht das Schwerdt

Ist keines Sieges wehrt;

Die ausgestand'ne Schlacht

Den Kriegsmann ruchtbar macht:

Wer keiner Arbeit hold

Wird sammlen wenig Gold

Und wer verschmächt das Bier

Der ist nicht werth zu trincken Malvasier.

Zu der Erquickungs-Ruh'

Rufft Gott nur die hinzu

So alles Trostes lähr

Mit Creutz beladen schwär;

Wer hier will selig seyn

Der muß dort leyden Pein

Das zeuget in der Höll

Der reiche Mann des Bacchus Tischgesell.

Drumb ist es tröstlich mir

Zu leyden viel allhier

Dann was mich hart da brennt

Wird mir in Trost verwendt:

Das Leyden daurt nicht lang

Ist nur ein Ubergang

Nach kurtz-erlittnem Leyd

Folgt gähling ohne End die Himmels-freud.

Nach ungeheurer Nacht

Die Morgenröht erwacht

Erfreut die gantze Welt

Die von der Nacht gequält

Vertreibt des Hertzens Traur;

Nach Donner Blitz und Schaur

Laßt sehen sich alsdann

Der Regenbogen trostreich jedermann.

Dem Winter folgt der Lentz

Setzt auff die Freuden-Kräntz'

Sein bunt-geblümmtes Kleid

Vertreibt das Winter-Läid;

Nach Unfall kommt das Glück

Treibt das Unheil zurück

Und trücknet ab den Schweiß

Dem es gemacht zuvor sehr bang und heiß.

Nach Wäinen folgt der Trost

Der alle Qual hinstoßt:

Nach Krieges Wütterey

Macht sich der Fried herbey:

Nach ungestühmen Meer

Legt sich der Wellen-Heer:

Nach vielem Ungemach

Quällt endlich auch hervor der Nectar-Bach.

Ich fühl auff Erden schon

Der Arbeit grossen Lohn

Dann alles wird mir leicht

Was ich zuvor gescheucht

Mir wird in meiner Hand

Schon ring was ich befand'

Vorhero schwär zu seyn;

Die Liebe Gottes wirfft den Zucker drein.

Die Creutz-Einbildung macht

Den Sonnenschein zur Nacht

Es scheinet alles hart

Was sonsten lind und zart;

Wer diese überwindt

Viel anderst es befindt;

Was kan dem bitter seyn

Der nur einmal versucht den Liebes-wein?

Wann ich nichts anders hätt'

Als nur das sanffte Bett

Wo mein Gewissen ruht

In unverstörtem Muht

So könnt ich wohl mit Fug

Erfreuen mich genug;

Ach was für harte Sturm'

Entstehen nicht von dem Gewissens-Wurm!

Wie plagt und nagt er nicht

Wo er viel Sünde sicht!

Was macht er nicht für Pein

Wo er genistet ein!

Wann sich zu Nachts im Hauß

Nur regt ein arme Mauß

Wann nur ein Läublein sich

Bewegt so geht schon in das Hertz ein Stich.

O wann ihr Menschen wißt

Wie süß das Leben ist

Wo das Gewissen frey

Der Sünden-Tyranney

Und flüchtig von der Welt

Allein an Gott sich hält

Ihr wurdet heute noch

Ablegen das schmertzhaffte Sünden-Joch.

Vor grosser Freud kan ich

Schier selbst nicht fassen mich

Daß Gott mich aus dem Kaht

Der Sünd gerissen hat:

Ihm sey Danck Lob und Ehr

Der mich geliebt so sehr

Daß er durch allerhand

Beschwärnuß mich gebracht zu solchē Stand.