10. Der Himmlische Daphnis vermählet sich in dem Himmel auff ewig mit Clorinda; ...
Written 1667-01-01 - 1667-01-01
Komme liebste Braut Clorind'
Komm' von Libano geschwind
Du bist frey
Von des Unglücks Wüterey;
Hitz und Kälte seynd nun ferr
Keine Nordwind' rasen mehr;
Pein und Qual
Seynd vergangen überal;
Da ist nunmehr kein Bemühen
Lieblich blühen
Nun die Blumen allerhand
Wollust ist in diesem Land.
Durch den stäten Busses-Fleiß
Bist du worden Lilien-weiß
Schön und rein
Wie der göldne Sonnen-Schein;
Von so vielen Tugend-Glantz
Bist du nun holdselig gantz
Göttlich schier
Weil kein Flecklein mehr an dir
Steigest gleich der Tags-Auroren,
Neu-geboren
Unverwendt in deinem Lauff
Von dem Weissen-Berg herauff.
Komme Freundin komm' zu mir
Ich will mich vermählen dir
Ewiglich
Und Glorwürdig krönen dich;
Es wird nun kein Affter-Glück
Können stossen dich zurück
Du wirst kein'
Eh-verschmächte Vahsti seyn;
Dich kein Mißgunst wird entehren
Noch verstöhren;
Dieses Land entfernet ist
Weit von Untreu Neyd und List.
Du kanst da nicht werden alt
Noch viel minder ungestalt
Immer neu
Werk en seyn die Lieb und Treu:
Da ist weder Raach noch Zorn
Weder Distel weder Dorn:
Zanck und Streit
Seynd von hinnen ferr und weit:
Hier wird dich kein Unmuht äffen
Minder treffen;
Die Betrübnuß ist vorbey
Du bist aller Sorgen frey.
Ohne Eckel und Verdruß
Ist allda der Freud-Genuß;
Niemahl kan
Werden dir was Läids gethan:
Weder Hunger Krieg noch Pest
Keines sich hier blicken läßt;
Dieses Reich
Ist befreyt von aller Seuch;
Da ist man gleich wie die Engel
Ohne Mängel;
Hier ist die Vollkommenheit
Weit von der Gebrechlichkeit.
Da ist nichts als Freud und Wonn;
Jeder gläntzet wie die Sonn:
Nichts als Lust
Diesen Burgern ist bewußt
Welche in Zeit-loser Eyl
Schneller als des Parthers Pfeil
An den Ort
Wo sie wöllen fliegen fort;
Nichts kan ihnen widerstehen
Sie durchgehen
Wie der Plitz die harte Stein
Wie durch Glaß der Sonnenschein.
Alle Wiesen seynd geblümt
Weit vor dem Hymett' berühmt:
Aller Spaß
Findt sich da ohn' Underlaß;
Feld- und Wälder seynd geziert
Daß man sich darein verliert;
Göldne Frücht'
Man an allen Bäumen sicht:
Alle Bäche von dem süssen
Nećtar fliessen;
Alle Brünne schencken ein
Unbeschreiblich guten Wein.
Ein so hoch beglücktes Reich
Dem die gantze Welt nicht gleich
Will ich hier
Heute noch einraumen dir
Tausend Engel O Clorind
Werden seyn dein Hoff-Gesind;
Ohne mich
Will ich niemahl lassen dich
Sondern mit Wollust ergetzen
Und dich setzen
Für den ausgestandnen Hohn
Auff den hohen Ehren-Thron.
Dieses ist der Lohn der Buß
Welchen man verdienen muß
Ohne Müh
Wird man ja gekrönet nie:
Müßte nicht auch Ich so gar
Der Ich Gottes Sohn doch war'
Gleicher Weiß
Kauffen mir das Paradeiß?
Durch viel Leiden und Trübsalen
Angst und Qualen
Muß man in das Reich eingehn;
Zärtling müssen draussen stehn.
Die der Welt ergeben seynd
Wahrlich ihre eigne Feind'
Weil ihr Ziel
Nur gericht auf Kinder-Spiel:
Lassen sich offt saur und heiß
Werden auch biß auf den Schweiß
Nur allein
Auff der Welt beglückt zu seyn;
Lauff- und rennen auff und nieder
Hin und wider
Wagen Leben Leib und Blut
Um ein wenig schnödes Gut.
Achten meine Schätz gering
Nur vertiefft auff solche Ding'
Welche strachs
Sich vertieffen wie das Wachs:
All ihr Trachten Hertz und Sinn
Steht auff Wucher und Gewinn;
Auff die Ehr
Seynd erhitzet sie noch mehr:
Ihrer Seelen underdessen
Gantz vergessen:
Um das zeitlich Glück und Heyl
Bieten sie den Himmel feil.
Diese Freud die ewig währt
Man hingegen nicht begehrt
Halten sie
Nicht für eine Linsen-Brüh;
Schätzen meine Werck und Lehr
Nun für eine Fabel mehr
Voll des Neyds
Gegen mich und meinem Creutz;
Wöllen es nur von sich jagen
Nicht nachtragen
Ob ich schon es bey dem Stab
Des Gebotts befohlen hab.
O ihr Menschen mercket diß
(So unfehlbar und gewiß)
Daß niemand
Creutz-loß kommt in dieses Land:
Durch das Creutz seyt ihr erlößt
Durch die Lust des Heyls entblößt
Unberührt
Jenes nicht zum Himmel führt:
Seyt ihr nicht O Adams-Kinder
Worden Sünder
Durch die Lust im Paradeiß
Wegen der verbottnen Speiß?
Es seynd ja die gute Täg'
Zu dem Leben nicht der Weg:
Wer ist der
Ohne Arbeit Lohn begehr'?
Kostet offt ein Stücklein Gut
Zu besitzen so viel Blut
Was soll man
Nicht thun umb den Himmel dann?
Oder aber ist er schlechter?
(O Gelächter!)
Als ein Land so nichts als Kath
Nichts als müh und Arbeit hat?
Ey so würcket würcket dann
Grosse Kleine Weib und Mann
Weil noch ist
Vor der Thür die Gnaden-Frist;
Würcket und befleißt euch doch
Euer Heyl zu würcken noch
Weil es gilt
Dann darnach ist es verspielt;
Schätzt den Himmel nicht geringer
Als die Finger
Es ist werth daß man nicht träg
Umb denselben sie beweg.
Seyt doch nicht wie Pharaon,
Hart in dem verkehrten Wohn
Denckt wie er
Endlich wurd' gestrafft so schwer;
Nemmt ein Beyspiel doch an ihm;
Höret euers Daphnis Stimm;
Wartet nicht
Biß ich sitze zu Gericht;
Jetzt könnt ihr das Heyl erwerben
Vom Verderben
Euch gar leichtlich machen frey
Und mir ewig sitzen bey.
Schlagt doch dieses nicht in Wind
Folgt mir weißlich wie Clorind'
Seht wie sie
Worden groß mit schlechter Müh:
Niemand ist zur Buß zu schwach;
Büssen ist kein solche Sach
Daß man müß'
Haben starcke Händ' und Füß';
Braucht nur einen starcken Willen
Mich zu stillen
Durch ein hertzlich-wahre Reu
Und zu lieben auff das neu.
Einer solchen Hertzens-Buß
Ich die Sünd verzeihen muß
Kan diß dann
Nicht verrichten jedermann?
Diß ist ein' so ringe Sach
Daß kein Krancker ihr zu schwach
Was für Peyn
Kan doch wohl Gott lieben seyn?
Oder ist das Sünde-fliehen
Karren-ziehen?
Sünde seyn ein schwäres Joch
Welches abzuscheuhen hoch.
Wann man grosser Sünden loß
Ligt man in der Freuden-Schoß;
Sünden-frey
Ist ein stäte Gasterey:
Wie ist nicht hingegen der
Sünden-Last so grausam schwer!
Herculs-Burd'
Leichter ihm zu tragen wurd':
Ey so kommt zu meinen Gnaden
Eingeladen
Kommt ich will erquicken euch
Nach so schwärer Sünden-Seuch.
Ach bedencket offtermal
Diese Freud und jene Qual
Freud und Läid
Seynd in euren Händen beyd:
Ach! erwehlet doch das Best'!
Werdet dieser Freuden Gäst'
Dann euch ist
Meine Mahlzeit zugerüst:
Laßt euch von verkaufften Rindern
Doch nicht hindern
Dann diß ist ein solch Geschäfft
Woran euer Heyl gehäfft.