10.Excessus humanæ mentis ad Deum

By Andreas Gryphius

Written 1640-01-01 - 1640-01-01

Welt Ade! mein Ziel ist kommen

Nunmehr poch ich Fleisch vnd Tod.

Von Schmertz Hoffen! Ach vnd Noth

Hab ich Abschied nun genommen!

Weg du Schatten kurtzer Zeit!

Mich küsst itzt die Ewigkeit.

Leiden Vnmuth Drangsall Plagen

Must ich in dem Blockhaus tragen

Nun hat Gott mich angeblicket.

Vnd mit steter Lust erquicket.

Ach! was spür ich hier vor Wonne!

Irr ich; Träumt mir! wie ist mir!

Bräutigam ach! ko i' ich zu dir!

Gläntz ich heller als die Sonne?

Tret ich nicht mit steiffem Fuß

Was die Hell' erschrecken muß

Kan weil Worte mir gebrechen

Ich mein eigne Freud außsprechen

Was fühl ich vor neues Leben!

Welche Macht wird mir gegeben?

Herr! den ich nun recht anschaue:

Von Gesichte zu Gesicht:

Der du ein selbwesend Licht

Dem ich nicht mehr hoffend traue

Der du mich so wehrt geschätzt

In mit vnd durch dich ergetzt!

Vor dir beug ich Knie vnd Hertze

Vnd bekenne daß mein Schmertze

Durchauß dieser Lust nicht gleiche

Die ich vnverdient erreiche.

Süsses Wohn-Haus höchster Ehre!

Platz der heiligen Libligkeit!

Da ich fern von Weh' vnd Streit!

Nichts als jautzend Lachen höre.

Hoffstadt ewig sichrer Ruh

Liebstes Vaterland glück zu!

Reine Geister die entbrennet

Von dem Licht daß ihr erkennet:

Rühmt mit mir den der vns Leben

Vnd vnsterblich Ehr kan geben.

Wonne! Wonne über Wonne!

Gottes Lamb ist vnser Sonne;

Freude Freud' ohn alles Leiden!

Niemand kan von Gott vns scheiden.