11.Auß dem dritten Buch. Eben desselben wercks

By Andreas Gryphius

Written 1640-01-01 - 1640-01-01

Der Mutter enger Leib hilt erstlich dich gefangen

Als deine Seele ward in Fleisch vnd Bein verstrickt:

So bald du dieses Licht das süße Licht erblickt

Bist du in newe Band vnd Kercker eingegangen.

Was ist die grosse Welt? ein Blockhauß da verlangen

Vnd Angst vnd schwere noth mit strängen fesseln drückt

Wenn vns der freye Todt auß diesen Ketten rückt

Denn nimbt die grufft in Hafft die gantz erblaßten wangen.

Waß ist die Freyheit doch die nirgend wird gefunden

Du bist eh' als du bist vnd weil du bist gebunden

Du bindest dich selb-selbst in Furcht vnd Sorgen eyn.

Doch! wer mit schnellem geist kan durch die Wolcken rennen

Vnd stricke die verlust vnd hoffnung würckt zutrennen;

Kan ob jhn Diamant gleich bünde freye seyn.