11.Fortis ut mors Dilectio

By Andreas Gryphius

Written 1640-01-01 - 1640-01-01

Reine Lib' ists die nichts zwinget

Ob der Erden Abgrund kracht;

Ob durch schwartze Lüffte dringet

Der entbranten Stralen-Macht.

Keiner Thaten Wunder-Wercke

Dämpfen treuer Liebe Stärcke.

Spannt der Tod schon seinen Bogen

Steckt er Trauer-Fackeln an!

Sie hat ihre Sehn gezogen

Der nichts wiederstehen kan.

Ihre Glut brennt wenn wir Erden

Vnd zur Handvoll Aschen werden.

Wenn die Helle sich erschüttert

Vnd mit Ach! vnd Folter schreckt

Vnd der Aengsten Angst sich wüttert

Wird ihr Eyver mehr entsteckt

Lieb ist nichts denn Glut vnd Flammen

Wie Gott Licht vnd Feur zusammen.

Lasst die stoltzen Wellen toben

Schäumt ihr Meere! braust vnd schmeist

Wenn der strenge Nord von oben

In deß Saltzes Täuff einreist:

Wird doch Wind vnd Wassers kämpffen

Nicht den Brand der Liebe dämpffen.

Lieb ist der nichts gleich zu schätzen

Wenn man alles Gold der Welt

Gleich wolt' auff die Wage setzen:

Lieb ist die den Außschlag hält

Lieb ists trotz der Slber-Hauffen

Nur durch Liebe zuerkauffen.