11. Erziehung durch Ahndung .
Denkst du nicht, Maria, mehr an die ausge-
standnen Schmerzen,
Als das kleine Jesulein in dir ein Gestalt gewann?
O wie sollt ich ihn nicht drum tausendmal im Glauben
herzen,
Da er nun zusehens wächst, mir zum Bräutgam und
zum Mann.
Hat Johannes nicht vor Freud, schon im Mutter-
leib gesprungen,
Spielt er nicht zum voraus schon, eh er noch kam an
das Licht;
Haben wir nicht seine Freund oft sein Hochzeitslied ge-
sungen,
Hat man mir mit Fingern da dieses Kind gezeiget nicht.
Nun liegt mir dies Kind im Schooß! Nun hab
ich das Lamm vor Augen,
Schaue, wie es mir zur Lust treibt so manches süße
Spiel;
Ist dies nicht mein Freund, der pflegt meiner Mutter
Brust zu saugen,
Ist er nicht mein Salomon, den ich niemals küß zu
viel.
Ja er ists, und was ich will, kann ich in dem
Kindlein finden,
Kind und Bräutigam zugleich heißt und ist er in der
That;
Denn die zarte Liebe kann auch wohl Kinder ehlich
binden,
Daß in Unschuld als sich selbst, eins das andre lie-
ber hat.