11. Gott dem Heiligen Geiste

By Andreas Gryphius

Written 1640-01-01 - 1640-01-01

Wie die Erden schmacht vnd brennet

Wie die Blume sinckt vnd fällt

Wie der Garten sich verstellt

Wie die Wiese sich verkennet

Wenn die erhitzte Sonn mit ihrem Mittags flammen

Den Kreyß der welt ansteckt.

So wenn deß Höchsten zorn wil tödten vnd verdammen.

Wenn vnß die Angst erschreckt:

Wenn vnß die heisse Noth verzehret

Wenn vnß die bange Furcht beschweret:

Denn wil vnß krafft vnd Muth verschwinden:

Denn ist kein Hertz in vnß zu finden.

Doch wenn ein nicht harter Regen

Diesen durst der Felder lescht.

Vnd die dürren Kräutter wäscht

Wenn die winde sich bewegen:

Vnd külen lufft vnd See mit angenehmen spielen

Bald lebt was vorhin todt.

So: wenn wir deinen Trost Gott höchste weißheit fühlen:

Dann lachen wir in noth.

Wenn vnß dein Allmachts Taw erquicket:

Wenn vnß dein Liebe-wind anblicket:

Wenn deines Segens Regen netzet:

So fleucht was jemals vnß verletzet.

Viel hat die Höll! viel ein Tyrann' erschrecket;

Du grosser Geist hast sie noch mehr gesterckt

Viel hat die Pein der Folter banck gerecket.

Man hat in jhrem Hertzen dich vermerckt.

Viel sind bedeckt mit Purpur rottem Blutt

Gewiesen in die glutt:

Ihr Fleisch verfiel doch jhnen wuchs der Mutt

Durch dich du höchstes Gutt.

Geist durch den die Geister leben

Geist durch den die Weißheit lehrt:

Geist durch den man IESUM ehrt:

Geist der rechten trost kan geben.

Wenn vnß der Strom der Angst biß in den Abgrund reisset:

Wenn vnß der Feind ansticht.

Geist durch den vnser Gott vnß seine Kinder heisset.

Vnd frey von Schulden spricht.

Durch dessen krafft wir können betten.

Vnd für deß höchsten Augen tretten:

Durch dessen hülffe wir obsiegen:

Wenn vnß anfechtung wil bekriegen.

Ach! Erwecke meine Seele:

Wende meinen vnverstand

Zeige den den Gott gesand.

Reiß mich auß der Jammer höle

In welcher mein gemütt verschlossen vnd verhüttet

Vnd sonder ende zagt.

In der deß Höchsten zorn mit heissen Eyver wüttet

Vnd mein Gewissen nagt:

Ich zitter: Hilff mir den erbitten.

Der seine Donner auß wil schütten:

Ich kämpffe: Hilff mir vberwinden;

Ich jrre laß den weg mich finden.

Du weist daß ich durch mich nichts kan vollbringen:

Ich weiß daß du durch mich kanst alles thun:

Drumb bitt ich HERR: Laß meiner Faust gelingen

Was du befihlst: diß daß mein Fleisch wird ruhn.

Gib weil diß Blutt sich in den Adern regt

Ein Hertz das nichts bewegt:

Gib wenn mein Geist diß Fleisch sein Hauß ablegt

Was die die seelig trägt.