11. Uber Gottes gnädige Regierung

By Catharina Regina von Greiffenberg

Written 1647-01-01 - 1647-01-01

Jesu meine Freud und Wonne

meiner Hoffnung fäster Hort!

Jesu meine Glückes-Sonne

meine Hoffnung hie und dort!

dir befihlich meine Sachen:

hoffend du werdstes wolmachen.

Ach wie werd' ich mich noch freuen

wann mir hilfft dein Angesicht!

Ewig müß' es die gereuen

welche dir vertrauen nicht.

Wol mir! du wirst meine Sachen

mir ganz löblich glücken machen.

Ach mein Herrscher! wollst ergetzen

die so dir vertrauet hat:

daß auch andre in dich setzen

ihren Trost nach dieser That

und befehlen ihre Sachen

dem der alles wol kan machen.

Deine Allmacht wird man loben

preißen deine Gütigkeit:

weil du auch im Himmel oben

denkest an der Armen Leid

und regierest ihre Sachen

zeigest daß du alls kanst machen.

Solt dir was unmüglich bleiben?

nein! dein Allmacht lied' es nicht.

Solt die Sünde dich abtreiben?

nein! dein gnädigs Herz dir bricht

dich erbarmen meine Sachen:

darum wirstu sie wol machen.

An des Herren Gnad und schicken

hab ich meine gröste Lust.

Ach er wird mich noch erquicken.

Mir ist seine Art bewust:

er verhängt die Unglücks-Sachen

nur daß er kan Wunder machen.

Hätt man Joseph nit gefangen

und dahin verkaufft vorher

hätt' vielleicht er nie empfangen

in Egypten solche Ehr:

ihme musten böse Sachen

eine Bahn zur Hoheit machen.

Israel hätt nie erfahren

was deß Höchsten Rechte heist:

hätt er nicht in vierzig Jahren

Wunderwerk an ihm beweist

und so manche schwere Sachen

seltsam sie besiegen machen.

Wann ich pflege zubedenken

wie du herrschtest von beginn:

kan ich freudig in dich senken

was ich wünsche hab und bin;

ja selbst-unmügliche Sachen

kanstu leicht und füglich machen.

Was kan man auch schwerer sagen

als daß solt die Sonne stehn

und auf eines Manns behagen

etlich Grad zu ruck gehn?

schafft er mit den grösten Sachen?

solt er nicht die kleinen machen?

Sonn' und Sterne Meer und Erden

seyn annoch in deiner Hand.

auf dein winken können werden

alle Dinge umgewand.

dir sich müssen alle Sachen

wie du schaffest lassen machen.

Drüm so will ich dir befehlen

alles was mir liget an

beyd des Leibes und der Seelen:

du bist der der helffen kan.

Dir ich heim stell meine Sachen:

glaubend du wirst es wol machen.

Hastu mich aus nichts erschaffen

Herr zu deinen Ebenbild

und da ich im Tod entschlaffen

mich erlöset also mild:

vielmehr wirstu jetzt die Sachen

deines Kindes trefflich machen.

Meines Schiffleins Steuer-Ruder

meines Lebens Leitung ich

dir vertraue lieber Bruder!

wollest so regieren mich

und in allen meinen Sachen

deinen Will erfüllen machen.

Nun so will ich nicht mehr sorgen

wie es da und dort möcht gehn.

Mein Glück ist in Gott verborgen

wird doch bald sich lassen sehn.

Gott wird alle meine Sachen

Ihm zu Ehr gereichen machen.