12.Barrabas wird vor Jesu frey gelassen
Written 1640-01-01 - 1640-01-01
O Blindes Volck; verkehrte Welt!
Der nur was schädlich wol gefällt!
Sie lässt das Leben! wählt den Tod!
Erlöst den Mörder! Creutzig't Gott!
Pilatus zwar spricht mit bedacht:
Ihr habt den Menschen zu mir bracht
Als einen der das Volck abwandt
Sein Vnschuld aber ist erkandt.
Ich ja Herodes! findet nicht
Worüber Recht ein Vrtheil spricht:
Wird Er gezüchtig't gleich zum schein
So muß Er endlich frey doch seyn.
Noch mehr! Das Osterfest bricht an:
An welchem man erretten kan
Nach altem Brauch ein schuldig Haupt
Dem sonst kein Richter Gnad' erlaubt.
Ihr selbst begehrt's vor dieses mal
Stell ich die Sach' in eure Wahl.
Wolt ihr Barrabam machen loß
Der nechst im Auffruhr Blut vergoß?
Wo nicht? so schlag ich Jesum vor
Auff welchen sich der Neyd verschwor
Vmb daß Ihn der gemeine Tand
Auß Wahn der Juden König nannt.
Weil er die Meynung noch vorbracht
Entbot seyn Eh'weib ihm; Gib acht:
Vnd habe (wo wir wollen ruhn)
Mit dem Gerechten nichts zu thun!
Ich habe nechst erblaste Nacht
Voll zittern schichternd durchgebracht
Weil seiner wegen Ich erschreckt.
Auß vngeheurem Traum erweckt.
Vmbsonst! Weil ihm das Volck zusetzt;
Durch die geweyhte Schaar verhetzt:
Drumb als er fragt schreyt klein vnd groß:
Nicht Jesum gibt Barrabam loß.
Wie wird es denn vmb Jesum stehn?
Spricht er. Sie ruffen: Heis ihn gehn
Zum Tod vnd Creutz. Wie? fing er an;
Sagt denn warumb Er sterben kan.
Sein Vnschuld bricht ja klar ans Licht
Vnd stralt vor Kläger vnd Gericht!
Sie aber schreyn: Nur Creutz vnd Pein
Nur Creutz vnd Tod sol vor Ihn seyn.
Verblendet Volck! verkehrte Wahl!
Verlachte Freud! gewüntschte Qval!
Es hengt vns noch von Adam an
Daß man so übel kiesen kan.