12.Das Seufftzen des Gefangenen.Die Seele liegt mit Ketten gebunden an die Welt/...
Written 1690-01-01 - 1690-01-01
Wie lieg ich Arme noch gebunden
Wie druckt mich meiner Fessel Last.
Ich meint' ich hätte Freyheit funden
Als mich die Lieb der Welt gefast.
Da wollt ich ungebunden gehn
Und meinen freyen Willen haben:
Drauff must ich zu gebotte stehn
Den Feinden die mich nicht loß gaben.
Nun sah ich daß ich noch nicht bin
Auß ihrer Macht und Stricken gangen:
Ach Herr nimm diese Fessel hin:
Mach loß was noch von mir gefangen.
Die Welt-Lieb ist noch sehr subtil
In mir nach der Natur verborgen
Und was ich noch vom Fleische fühl
Das macht dem Geist viel tausend Sorgen.
O schaue mein Gefängniß an
Ich lasse nimmer ab zu schreyen.
Doch deine Langmuth ists die kan
Mich nach Verzug geschwind erfreuen.
Mach nur eins nach dem andern los
So komm ich frey in deinen Schoos.