129.Das anmuthige Endlich.
Written 1690-01-01 - 1690-01-01
Endlich soll das frohe Jahr
Der erwünschten Freyheit kommen!
Seht! Der Geist wirds schon gewahr
Hats im Vorrath angenommen.
Seht! Er triumphiret schon
Geht einher in Sieges Kräntzen
Wartend bey der Feinde Hohn.
Auff den neu bekrönten Lentzen.
Freunde nicht Feinde die sollens erblicken
Langes Verlangen soll Kinder erquicken.
Endlich wird das Seufftzen still
Und das Hertze ruhig werden
Wenn Papa es haben will
Daß die Lieben die bewährten
Auß dem finstern Kercker gehn
Band und Eysen von sich schmeissen
Und nicht mehr von ferne stehn
Sondern Ihn in einem preissen.
Harte Chaldeer ihr müsset uns weichen
Laodiceer ihr sollt wol erbleichen.
Endlich wird man Pflanzen sehen
Gott zu Preiß in seinem Garten
Wenn man wird bey Paaren gehn
Und nicht mehr in Hoffnung warten
Sondern eins dem andern wird
Können seine Führung zeigen
Jeder wird als nur ein Knecht
Allen in der Demuth weichen:
Weichen sich beugen zur Einigkeit Bande
Singen und springen in lieblichem Lande.
Weg Vernunfft und Zweiffel-Wind
Eigen Lieb und eigen Ehre!
Wer hier nichts in Einfalt findt
Wiß daß er die Hoffnung stöhre
Und der Liebe Schmack verdarb
Die doch unvermischt soll bleiben.
Was in ihr noch scheinet hart
Kan uns nicht in eins eintreiben.
Stille! Der Wille des Vaters wird zeigen
Allen Gefallen bey kindlichem Schweigen.
Wenn der Schnee verschmoltzen ist
Pflegt der Blumen Zier zu blicken:
Wenn du auß dem Winter bist
Wird der Lentz die Kräntze schicken
Die noch jetzt verderbet stehn
Doch nach kalten Schnee und Winden
Soll dein Fuß spatziren gehn
Tausend Blumen einzuwinden
Rosen Liebkosen der himmlischen Blüthe
Engelsüß dort genieß seligster Güte.
Endlich wirstu dennoch Braut
Und dein Bruder Bräutgam heissen.
Wer dich jetzt in Neid anschaut
Wird dich endlich selig preisen.
Endlich muß der Himmel auch
Ein beliebtes Ja-Wort sagen
Und wer sonst nach Welt Gebrauch
Niemals hier was wollen wagen.
Endlich unendliche Herrlichkeit bringt.
Endlich die endliche Trübsal verschlingt.