13. Unterthänige Dienst-Aufopfferung dem Höchsten / in Leidens-Zeit

By Catharina Regina von Greiffenberg

Written 1647-01-01 - 1647-01-01

Ich opffre Gott auf bey de Weiß

mein Seele Sinnen Thun und Fleiß

mein Würkung Willen Gut und Blut

mein Krafft Verstand mein Herz und Muht.

Ist es O Gott der Wille dein

daß ich allhier soll elend seyn

ohn' alle Zeitlich' Ehr' und Freud

mit Angst und Noht in Einsamkeit:

Ey so gescheh dein wehrter Will

der war ist noch und bleibt mein Ziel.

Mit tieffster Unterthänigkeit

mein Will zu leiden ist bereit.

Ich bitt' allein O Jesu Christ!

weil in mir kein vermögen ist

zu leisten was mein Mund verheist:

gib mir zur Gnad dein wehrten Geist;

Der mich in Trübsal also stärk

daß vor Gedult kein Angst ich merk;

der das was mir unmüglich fällt

mir helffe würken in der Welt.

Vor allen ich dir meine Seel

aufopffer' und sie dir befehl:

O starker Felß laß keine Noht

sie scheid-und trennen nicht von Gott.

Verstand der Seelen erste Krafft

der saug' aus deiner Weißheit Safft

wie über-wol um uns es steh

wann es nach deinem Willen geh.

Gedächtnus schlag die Bücher auf

von anbegin der Schickung-Lauff

und finde daß es Gott so schickt:

daß hiesigs Creutz uns dort beglückt.

Die Lieb der Seelen bestes Theil

die halt des Liebsten Schläg für Heil

an seiner Lieb sich so ergetz

daß sie in Creutz sich seelig schätz.

Sie lieb' ihn stark in höchster Pein.

und wann es auch solt müglich seyn

daß er ihr Feind zu seyn auch schien;

der Liebe Feur doch in ihr brinn.

Wann Kunst und Weißheit wär bey mir

woltich sie auch aufopffern dir;

vor alles Lob und Ehren-Pracht

mit Freuden seyn vor nichts geacht.

Mit Himmels-Muht mein Aug' verbind

daß es zur eitlen Lust sey blind

mein Sünd' und Elend stäts bewein

so lang es ist der Wille dein.

Zu Lob' und Lust mein Ohr sey taub:

dann beedes ist ein Herzen-Raub.

Verachtung sey mein gröste Ehr:

durch diese gleich' ich dir nur mehr.

Gibstu mir nur ein Stäublein Mehl

des Himmel-Trosts in meine Seel

so ist kein Tod in Töpffen mehr

wann auch das Creutz noch bittrer wär.

Mein Herz acht keine Schmerzen-Stich

wann es nur nicht verlieret dich.

Kein süsser Ruch mich nicht erquickt

wird er mir nicht von dir geschickt.

Herr nimm mein Leib und Leben hin!

ich acht' es alles vor Gewinn

was ich in deinem Dienst verlier

dein Creutz ist meine schönste Zier.