134.Psalm 55. v. 7.

By Gottfried Arnold

Written 1690-01-01 - 1690-01-01

Wo flieh ich hin wo soll ich bleiben?

Wo wird die süsse Stille seyn

Da ich mich könte schliessen ein

Und mich nicht lassen mehr umtreiben

Die Unruh dieser äussern Dinge?

Ist keine Einsamkeit bereit

Darinn ich Gott ein Lob-Lied singe

Der von Zerstreuung mich befreyt?

Mein Geist will in die Wüsten ziehn

Und wünscht ihm Dauben-Flügel an

Weil er vor Angst nicht bleiben kan

Da wo die Menschen sich bemühen

Von Gott noch weiter weg zu gehen

Und niemals bey sich selbst zu seyn.

Ich kan den Jammer nicht mehr sehen

Und bleibe selbst dabey nicht rein.

Drum fort O Seel entzeuch geschwinde

Dich der Gesellschafft dieser Welt.

Zerreiß was dich gefangen hält

Damit dein Fuß die Ruhe finde

Wo kein Geräusche dich verstöhret

Kein Zuspruch Sorgen und Verdruß

Den Umgang dir mit Gott verwehret

Der hier offt unterbleiben muß.

Ich freu mich schon auff eine Kammer

Die mich in sich verschliessen wird

Und durch den engen Raum abführt

Von aller Unruh Streit und Jammer

Die grosse Städt und Schlösser haben

Hier soll nur meine Ruhstatt seyn

Da Sicherheit und Fried mich laben

Und kein Unfriede bricht herein.

Nun will ich erst recht singen beten

Und in die Andacht kommen weit

Weil ich nicht durch so viel zerstreut

Vor Gott mit stillem Geist darff treten.

Da soll kein Feind mich hindern können

Ich geh in Canaan schon ein

Mein Paradis soll man es nennen

Hier will ich auch begraben seyn.