14. Anderer Theil: Demütige Dienst-Aufopfferung in Wohlfart. Gesetzt: Ich wäre G...

By Catharina Regina von Greiffenberg

Written 1647-01-01 - 1647-01-01

Ists aber lieber Gott dein Will

(das doch auf mich wär viel zu viel )

daß ich auch hier soll Glücklich seyn

und niessen deiner Freuden schein:

So sey dir Lob Preiß Dank und Ehr.

in meinem Glück freut mich nichts mehr

als daß ich dir Herr danken kan

dich loben laut vor jederman.

In Hoheit ich um Demuht bitt:

daß ich nit aus den Schranken tritt'.

in grossen Reichtum sey mein Muht

gericht auf dich das höchste Gut.

Je höher meine Freud auch steigt

je höher werd ich dir geneigt:

betrachtend daß von dir sie fliest.

was würd erst seyn wer dich geniest?

Du schickest mir zwar manche Lust

und grosses an mir armen thust:

mein Herz doch nicht vergnüget ist

als nur mit dir Herr Jesu Christ!

Verstand verstehe daß dein Raht

mein Wohlfart mir bereitet hat

nicht mein noch andrer Klugheit Kunst:

es hebet mich nur deine Gunst.

Gleich wie das Creutz so auch das Glück

sind bey de deiner Hand geschick.

Nicht mein Verdienst nur deine Gnad

setzt mich in hohen Ehren-Grad.

Gedächtnus! denk verwichner Zeit

und übe dich in Dankbarkeit.

Vergiß der Elenden hier nicht:

dein Glück dich andern auch verpflicht.

Das Glück vermehr die Liebes-Flamm

es schlage Lieb' und Lust zusamm.

Das Glücke selbst halt nicht so wehrt

als diesen der es dir beschert.

Die Liebe bleib' auch ohne Glück

beständig wann sich das Geschick

verändert sey sie solch ein Glut

die brennet in der Trübsal Flut.

Ich wolt ich hätt Vernunfft und Geist

und würdest du dadurch gepreist.

Ich wünsch kein' Ehr als die allein

daß ich dein Werkzeug möge seyn.

Mein Aug schau deiner Wunder Pracht

und alles was dein Hand gemacht.

Mein Glaubens-Aug auch sey gericht

in deiner Gnaden Angesicht.

Mich mahn der süssen Seiten-Klang

an deiner Engel Lobgesang.

Gib daß man höre überall

wie hell dein Lob von mir erschall.

Dein Wille sey mir Honig-suß

aus dem ich alle Lust genieß.

Das Man und Ambrosie mich labt

wann ich mit Geistes-Oel begabt.

Neigstu zu mir dich Gnaden-voll

ach Gott wie thut es mir so wohl!

nichts lieber als dein Güt ich riech

wann ich sie glaubend' an mich zieh.

Wann ich im Schoß des Glückes schweb

in voller Freud und Wollust leb:

will ich sie doch mit Tausend-Lust

verlassen wann du schaffen thust.