14. Das schiffende BrautpaarSpanisch

By Johann Gottfried Herder

Written 1773-01-01 - 1773-01-01

Hoch in weissem Schaume flogen

Vier Barbarische Galeren,

Machten schnelle Jagd auf Eine

Kleine Spanische Gallione.

In der ein beglücktes Brautpaar

Freudig durch die Wellen schiffte:

Er ein Edler von Mallorca,

Sie die Schönste Valenciana.

Hold begünstigt von der Liebe,

Sehnen sie sich nach Mallorca,

Da ihr Freudenfest zu feiren,

Da zu sehn der Liebe Heimath.

Und je mehr bei stillem Ruder

Sanfter sich die Wellen neigen,

Immer schmeichelnder die Winde

Rauschten in der Liebe Segel.

Sehen schnell sie sich umgeben

In der tiefsten Meeresenge;

Schnell von allen Seiten kommen

Auf sie stolze Feindesmasten,

Die die Raubessucht beflügelt,

Wie sie flügelt kaltes Schrecken.

Zarte Silberperlen weinend,

Flehet so die arme Dame:

„Holdes, liebes, frisches Lüftchen,

Warest du der Flora Liebling;

Denk an deine ersten Küsse

Und errette unsre Liebe.

Du der mit der Götter Allmacht,

Wenn du auf ein Schif ergrimmest,

Schleuderst es auf Sand des Meeres

Als obs hundert Felsen wären;

Und der mit der Götter Linde,

Wenn dir gute Menschen flehen,

Eine [arme] Meerestrümmer

Kanst aus Königsflotten retten;

Rette unser liebend Segel

Aus den Händen jener Räuber,

Wie du aus der Geyer Klauen

Rettest eine weisse Taube.“

Und je mehr bei stillem Ruder

Sanfter sich die Wellen neigen

Desto rascher wehn die Winde

Sie in ihrer Liebe Heimath.