14. Der Stierkampf und die Frösche

By Johann Wilhelm Ludwig Gleim

Written 1761-01-01 - 1761-01-01

Zwei Stiere hatten Krieg, und wendeten die Kraft

Der Knochen wider sich; und in der Nachbarschaft

Des Angers, wo der Kampf geschah,

War eine Froschprovinz. Ein Frosch, der weiter sah,

Als seine Brüder, sprach: Ach Himmel! sehet da

Die fürchterliche schwarze Wolke

Des Unglücks über uns! Sie drohet unserm Volke

Vernichtung, Untergang!

Des großen Stiergeschlechts Erbitterung und Zank

Wird uns – –

Was sorgst du doch? sagt einer, der es hört;

Ich seh die Wolke nicht, die deine Ruhe stört;

Sie streiten; wer von ihnen beiden

Der Herde Mann sein soll, das wollen sie entscheiden!

Das wollen sie; allein, was ist davon die Frucht?

Der Überwundene muß fliehen; auf der Flucht

Verfolgt der Sieger ihn; und der Besiegte sucht

In unsres Sumpfes hohem Rohr

Beschirmung! ach, und unser Chor

Wird jämmerlich zertreten! meinst du nicht?

Indem das Bruderpaar noch miteinander spricht,

Verliert der eine Stier die Schlacht,

Entflieht, der Sieger folgt, und der Besiegte macht

Das hohe Schilf im Sumpf zur Freistatt und zertritt

Das arme Froschgeschlecht, und beide Sprecher mit.