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By Andreas Gryphius

Written 1640-01-01 - 1640-01-01

Wie wenn nach langer Angst vnd überstand'nem brausen

Der Port die Segel streicht:

Wenn nach der Wellen Macht vnd vngestümen sausen

Ein Schiff das Land erreicht:

Wie die auß Weh' entrückten Hertzen

In Lust vergessen ihrer Schmertzen,

Wie sich die Welt verneuet

Wann Sie den Frühling find:

Wie sich der Schnitter freuet

Wenn er die Garben bindt:

Wie Feld vnd Städte springen

Wenn nun der Krieg auffhört:

So muß voll Wonne singen

Mein Geist Herr der dich ehrt

Wie eine Mutter sich nach mehr den grimmen Leiden

Ob ihrer Frucht ergetzt;

Wie nach der Kranckheit lacht der nun die Pein fühlt scheiden

Die Fleisch vnd Bein verletzt:

Wie den die sanffte Ruh' erquicket

Den Arbeit Hitz vnd Last gedrücket:

Wie ein Gefangner starret

Vnd schier vor Wollust stirbt;

Wenn er den Tag erharret

Der Freyheit ihm erwirbt;

Wie der dem Tod entgangen

Sich kaum vor Freuden kennt

So muß die Seele prangen

Wann Gott sich zu ihr wendt

Halleluja! singt mit mir

Ihr die ihr noch den Schein der ersten Jahre zehlet:

Lobt den Höchsten für vnd für

Ihr die ihr euch den Schnee der rauen Zeit vermählet.

Rufft Halleluja! rufft die ihr beginnt zu leben!

Lob sey dem Höchsten Gott!

Ihr keuschen Blumen helfft deß Heylands Treu' erheben

Der retten kan auß Noth.

Ihr die ihr nicht mehr mit vns streitet

Rühmt mit mir den durch den ihr sigt!

Der euch die Ehren-Kron bereitet

Die ihr von seinen Händen krigt.

Er fordert in den Kampff die die sich ihm ergeben

Er führt sie in den Streit!

Er läst sie eine Last auff ihre Schultern heben

Er prüfft sie durch viel Leid.

Er stellt sich selbst als wolt er hassen;

Als ob er seine Schaar verlassen.

Er Wafnet offt die Regen

Die über sie ergehn

Mit schweren Donnerschlägen

Vnd bleibt von ferne stehn

Er schleust die schwartzen Grüffte

Deß bleichen Todes auff

Vnd zeigt der Höllen Klüffte

Dem ihm' erwehlten hauff.

Doch steht er bey wenn sie nun in dem Schauplatz ringen

Vnd krönn't mit schönem Preiß

Die Bürde muß ihr Fleisch nicht gar zu grunde dringen

Er trucknet ihren Schweiß

Sein Hertz muß auß mitleiden brechen;

Wenn sie in Arbeit ihn ansprechen

Er trennt das Vngewitter

Durch klaren Sonnenschein

Vnd tröstet die Gemüter

Vnd läßt sie nicht allein

Er heist die Leichen Leben:

Sein Licht vertreibt die Nacht

Er wil den Himmel geben

Wenn gleich die Höll' auffwacht.

Halleluja! rühmet Gott

Gott vnsern grossen Gott den König aller Götter

Der vns reist auß Noth vnd Tod

Der vnser Schutz vnd Heil vnd Beystand vnd Vertretter

Er kan und wil vnd pflegt vns stets die Hand zu bitten

Offt ehe man vermeint

Er lagert sich vmb vns hier steht er in der mitten

Er küsset wenn man weint

Je grösser vnß die Noth vorkommen

Je näher macht er sich herbey:

Je schwerer Joch wir vmbgenommen

Je eher spricht der Herr vns frey

Offt scheint es auß mit vns wir schätzen vns verlohren:

Weil Trost vnd Rath verzeucht.

Wir bilden vns nur ein daß wir zu Weh geboren

Die Hoffnung selber fleucht

Denn wündschen wir stracks zu vergehen

Vmb nicht mehr Elend außzustehen

Wir neiden die so schlaffen

Die Tod vnd Grab verdeckt

Die keiner Jammer Waffen

Kein Sturm der Angst erschreckt

Denn fluchen wir dem Tage

Der vnß der Welt gewehrt

Vnd zagen daß die Plage

So langsam vns verzehrt

Ach aber! dieses muß zu vnserm besten dienen

Was man so schrecklich nenn't

Deß Herren Beystand ist viel schöner denn erschienen

Wenn man kein Mittel kenn't

Er würcket vnser Glück vnd Leben

Wann vns der Martter Glut umbgeben

Er läst in Bande führen

Wenn er befreyen wil.

Er heisset was verlieren

Vnd gibt vnendlich viel:

Er leidet daß man schmähe

Die den er Throne macht

Vnd in Verachtung sehe

Die schon die Ehr anlacht.

Halleluja! Lobt vnd preist

Den Gott der wunderbar in wundern Wunderwercken

Der den gantz verschmachten Geist

Durch diß was Creutze scheint (dafern er wil) kan stärcken

Die heisse Flamme muß auff sein befehl nicht brennen.

Er hemm't der Sonnen Raad:

Der harte Fels muß sich in frische Quellen Trennen

Wann man kein Wasser hat.

Er führet trucken durch die Wellen

Sein Feind versincket auff der Erd:

Wann er der Stoltzen Trotz wil fällen

Schlägt ein Stab schärffer denn ein Schwerdt.

Er kenn't die beste Zeit vnd die bequemste Stunde

Er weiß die rechte Bahn

Wir Armen bitten offt mit halb erstarrtem Munde

Was vns verterben kan.

Doch sein stets Seegen-reich Gemüthe

Die Brunquell vnerschöpffter Güte

Trägt väterlich mitleiden

Mit vnserm Vnverstand

Wie man der Schwerdter Schneiden

Reißt auß der Kinder Hand.

Die welche nicht erlangen

Was sie von ihm begehrt

Die werden diß empfangen

Was mehres Danckes wehrt.

Betrübte stelt ihm heim stelt heim ihm eure Sachen:

Vertraut ihm was euch quält.

Er einig weiß diß wol was niemand weiß zu machen

Dem es an Macht nicht fehlt.

Der wird auff steiffer Ruh sich finden

Der auff ihn kan sein Hoffen Gründen.

Kein Donner wird erwecken

Auch keiner Plitzen Trutz

Kein Sturm wird wieder schrecken

Den der in seinem Schutz.

Lasst falsche Zungen stechen!

Setzt Speer vnd Sebel an!

Lasst Tod vnd Höll einbrechen!

Wenn Jesus retten kan.

Halleluja! pocht auff ihn

Der allen die vns feind ist viel zu hoch gesessen!

Vor dem Ach vnd Elend flihn'

Der vnser Schulden wil nicht seiner Gunst vergessen.

Was kan der Erden Bau was kan der Himmel geben

Daß seiner Güte gleich?

Den Vorschmack gönnt er vns in dem so engen Leben

Die waare Freud' im Reich!

Das wenn die Welt der Lust zu enge

Er vns von Anbegin gestifft

Voll vnerschöpffter Wolthat Menge

Die alles Dancken übertrifft.