15. Der BrautschmuckSchottisch

By Johann Gottfried Herder

Written 1773-01-01 - 1773-01-01

Wollt meine Liebe lieben mich,

Und treu und hold mir seyn;

Ein schöner Brautschmuck sollte sie

Durchs ganze Leben freun.

Die Ehre sollt' ihr Hütchen seyn,

Das rings ihr Haupt bedeckt,

Umfasset mit der Vorsicht Band,

Mit Freiheit schön besteckt.

Die Leinwand, die den zarten Bau

Der Glieder rings umschließt,

Sey Unschuld, wie sie um die Brust

Der keuschen Taube fließt.

Ihr Wämschen schlanke Mäßigkeit

Und Zucht und feste Treu,

In dem der frischen Glieder Wuchs

Ein sanfter Palmbaum sey.

Ihr Röckchen sey von Artigkeit

Und Würde schön gewebt:

Wo Anstand und Bescheidenheit

In jeder Welle schwebt.

Beständigkeit ihr Gürtel sey,

Tagtäglich neu und schön:

Ihr Mäntelchen Demüthigkeit,

Der Luft zu widerstehn.

Ihr Halsband sey ein Perlenschmuck,

Dem Herzen selbst bewußt;

Der Liebe schönste Rose blüh

Auf ihrer Mutterbrust.

Umgeben mit der Hoffnung Grün,

Und stiller Veilchen Pracht,

Wo mir ein klein Vergiß mein nicht

Aus Mayenblümchen lacht.

Und unter ihnen ziehe sanft

Der Schleife Band sich zu;

Und berg' in ihren Busen zart

Gelassenheit und Ruh.

Des Fleisses und der Güte Netz

Umwebe ihre Hand;

Der falschen Nadel sey ein Helm

Von Golde Widerstand.

So binde sie mit Huld und Schaam

Der Kniee Brautband sich,

Und wandle, wie ein Engel schön,

Beglückend sich und mich.