16.Auff den dritten Pfingst-Tag. Johann. 10.

By Andreas Gryphius

Written 1640-01-01 - 1640-01-01

Wer durch das Thor nicht geht wer falsche Weg' erdencket

Vnd hinterwerts einfällt thut als ein Räuber pflegt

Der wüttend vmb sich greifft vnd in die Heerde schlägt

Vnd rasend manches Schaff auß Geitz zu Tode kräncket.

Wer aber zu der Thür sich vnerschrocken lencket

Der ists auff dessen Wort sich iedes Lämblein regt

Der vnverfälschte Gunst zu meiner Heerde trägt

Der führt sie wo das Feld die feiste Weide schencket

So spricht deß Höchsten Sohn der selbst die rechte Thür.

Wer durch ihn eingeht: lebt vnd wird auch für vnd für

Gewüntschte Seelen-Ruh vnd gutte Weide finden.

Wer vor vnd ohn ihm komt thut wie die Wölffe thun

Die würgen weil bey Nacht die müden Hirten ruhn

Vnd wenn der Tag anbricht auß Furcht in eyl verschwinden.