16.Auff den Sontag deß wachsenden Wortes/ oder den VI. nach dem Fest der Weisen....

By Andreas Gryphius

Written 1640-01-01 - 1640-01-01

Kein Körnlein ist so klein als Senff vor vns zu schätzen

Doch wenn es in die Schoß der feuchten Erden fällt

So wurtzelts eilend eyn vnd keimet in die Welt

Vnd wird ein hoher Baum der rund vmb allen Plätzen

Deß Schattens Lust außtheilt. Denn eylet sich zu setzen

Manch Vogel umb den Ast der sich da sicher hält

Alsbald der Himmel plitzt alsbald man nach ihm stelt.

Ihn kan kein Wind kein Sturm kein Jägergarn verletzen.

So scheint deß Höchsten Wort in Menschen Augen klein

Doch kom'ts einmal ins Hertz so nimt's die Sinnen eyn

Vnd läßt bald Stock vnd Zweig vnd Blütt' vnd Früchte schauen.

Der vnter diesem Baum bey trüber Wetters-Zeit

Ihm Zuflucht außerkiest dem wird vors Windes Streit

Vors Teuffels Vogel-Netz vor's Todes Pfeyl nicht grauen.