16.Deß Herren Jesu Creutzigung
Written 1640-01-01 - 1640-01-01
Ko it her ihr Seelen die die Noth
Die Angst Gesetz vnd Hell vnd Tod
Vnd Gottes Grimm beschweret!
Hier wird der Erden Lösegeld
Das Opffer vor die Schuld der Welt
Auffs Creutz-Altar gewehret.
Der grause Schauplatz herber Pein
Wird künfftig mehr denn fruchtbar seyn
Nun Ihn das Blutt gedinget:
Das Blutt das Trost vnd Seligkeit
Vnd Leben Gnad vnd Lust in Leid
Vnd Freud vnd Friede bringet.
Hier reicht man bittre Gallen dar
Vnd Wein der scharff von Myrrhen war
Den Heyland mehr zu plagen
Der sich den süssen Weinstock nennt;
Doch als Er diesen Tranck erkennt
Hat Er Ihn abgeschlagen.
Der alle kleidet wird entdeckt
Vnd auff das Holtz deß Fluchs gestreckt
Entgliedert vnd gedehnet:
Man nagelt an die milden Händ
Die ieder Hülffreich hat erkennt
Der sich nach Heyl gesehnet.
Der Fuß der auff der Sünder Pfad
Vnd Irrweg nie gewandelt hat
Wird nun mit Stahl durchgraben.
Der Mittler zwischen vns vnd Gott
Wird zwischen Erd vnd Wolck' in spot
Vnd Hohn vnd Pein erhaben.
Der gantze Leib ist eine Wund
Vom Haupt zu Fuß ist nichts gesund
Die Kräffte sind entwichen
Das Blutt springt auß den Adern für
Der kalte Todtschweiß find sich hier
Die Lefftzen sind erblichen.
Man hängt auff die vnd jene Seit
Zwey Mörder die all ihre Zeit
Mit Raub vnd Blutt verzehret;
So wird der kein Gesetz verletzt
Den Vbelthätern gleich geschätzt
So wird das Recht verkehret.
Die Kleider sind der Hencker Beut
Doch wollen die verruchten Leut
Nicht seinen Rock zu trennen.
Den doch in dieser letzten Zeit
Zureissen blind von Grimm vnd Neid
Die die sich Christen nennen.
Der Jude Grich vnd Römer geht
Vnd list was in dem Tittel steht
Der auff das Creutz geschlagen:
Das diß der Nazarener sey
Vnd Juden König hört man frey
In dreyen Sprachen sagen.
Der Titul muß wie hoch vnd viel
Der Priesterschaar es eyfern wil
Gantz vnverändert bleiben.
Es ist geschrieben was Ich schrieb
Spricht Pontius euch sey gleich lieb
Ja oder Leid mein Schreiben:
Er wird von dem der bey Ihm wacht
In seiner herben Pein verlacht
Vnd trägt der Mörder schelten.
Der Priester grimme Haupter schmehn
Der Juden Hochmuth lässt sich sehn
Hier muß ihr Lästern gelten.
Auch speit ein toller Wandersman
Deß Herren grimme Schmertzen an
Man hört von allen Enden:
Du Tempelbrecher kom herab
Vnd rette dich von Creutz vnd Grab
Du hast dein Heyl in Händen.
Wie daß man dehn so hangen schau't
Der Tempel in drey Tagen bau't!
Kind Gottes komm hernieder!
Wie kömt's daß der der Jederman
Geholffen sich nicht retten kan?
Bist du dir selbst zu wider!
Bist du der Israel regiert?
Wie daß man dich ohn Kräffte spürt
Entgeh den Creutzes Schmertzen!
Wo du diß kanst so glauben dir
Daß du Meßias dort vnd hier
Die überzeugten Hertzen.
Diß trägt der Heilge mit Gedult?
Der Herr für seiner Feinde Schuld
Der König für die Knechte
Der Reine für die so verflucht:
Der Hirt für Schaffe die Er sucht
Für Sünder der Gerechte.