17. Dem Andenken Christlob MyliusFußnoten
Written 1754-01-01 - 1754-01-01
Freund, den voll Schmerz mehr, als nur Freunde, missen,
Der, wenn er stirbt, der Weisen Menge kränkt,
Den Deutschland klagt: Mir ward ein Sohn entrissen;
Stolz wär auf ihn das Land, das ihn versenkt.
Wie wissen wir, wann wir den Schöpfer hören?
War nicht dein Trieb, dein starker Trieb, sein Ruf?
Der riß dich hin, die Wunder uns zu lehren,
Die unser Gott im fernen Westen schuf.
Und leitet uns, wo uns kein Engel führet,
Ein edler Trieb von unbesiegter Macht,
Zerstört sie denn, die Hand, die uns regieret,
Ihr Werkzeug schon, noch eh' es war verbracht?
So fragen wir, wir noch gefangne Seelen,
Todt ist für uns, was nicht der Erde lebt:
Wer ist so kühn, die Aemter durchzuzählen,
Zu denen Gott befreyte Geister hebt?
Hier bin ich, Herr! soll ich auch weiter gehen,
Als an das Ziel, das ich mir vorgestellt?
So sprach mein Freund, schon eilt er durch die Höhen;
Fern unter ihm liegt bald die neue Welt:
Auf die sein Blick, der um die Erde streifet,
Ein Blick im Fliehn, nun ohne Sehnsucht schießt;
Wie, wenn ein Kind zum Manne plötzlich reifet,
Sein Spielzeug sieht, und gleich darauf vergißt.
Er sieht des Monds uns nie gesehnen Rücken,
Und nah' am Mars, noch einmal umgekehrt,
Fühlt er für uns: „Wie? jenes Punktes Stücken
Sind Menschenblut, sind ew'ge Seelen werth!
Im großen Ball, dem vier Begleiter glänzen,
Wie Riesen nach gebundne Zwerge ziehn.
Was wären da des Schachs und Mogols Grenzen?
Der Menschen Welt wär auch ein Zwerg für ihn.“
Drauf hat sein Flug den Ring Saturns gefunden,
Und weil er bald sich senkt, bald wieder steigt,
Wird das für ihn ein Schauspiel von Sekunden,
Was spät sich uns in funfzehn Jahren zeigt.
Denn, wie ein Sklav, den schwere Fesseln zwingen,
Mit matter Hand ein grobes Werkzeug führt,
Wirkt hier der Geist, der dort die leichten Schwingen
Mit freyer Kraft im weiten Aether rührt.
Wo unsichtbar für uns Kometen gehen,
Ward noch sein Blick durchs Sonnenreich gesandt,
Als übersäh', von's Bructers kalten Höhen,
Er noch einmal Georgens glücklich Land.
Schon ist er hin, wo Wesen höh'rer Stufen
Der Mensch nicht fühlt, und nur der Geist erkennt,
Wo Seelen sehn, wozu sie Gott berufen,
Und Vorsicht ist, was man hier Schicksal nennt.
Dort ist vor ihm die Körperwelt vergangen,
Groß zeigt sich ihm Gott in der wahren Welt,
Von ihr wird uns, die wir mit Einsicht prangen,
Ein Theil, wie Nichts, umnebelt vorgestellt.
Der muß für uns, weil wir nichts Bessers kennen,
Der Allmacht Reich, der Weisheit Schauplatz seyn;
So wagt ein Hirt, den Kayser groß zu nennen,
Und dachte, Rom wär, wie sein Flecken, klein.
Doch würdig kann kein Engel Gott erheben,
Er hört, wenn Ihn ein frommes Lallen preist,
Und wird dereinst Dem Vieles übergeben,
Der eifrig hier sich im Geringen weist.