17. Die Tochter ...

By Abraham Gotthelf Kästner

Written 1759-01-01 - 1759-01-01

Mama, daß Sie mich liebreich hüten,

Das kann ich Ihnen nicht verbieten;

Und, ist gleich die Gefahr noch weit,

Dank' ich doch Ihrer Zärtlichkeit.

Doch nehm' ich mich nicht selbst in Acht,

So werd' ich nur umsonst bewacht.

Vielleicht, was ich sonst nie begehrte,

Reizt mich, nur weil man es mir wehrte;

Frey soll mich sanfte Tugend ziehn,

Doch Fesseln brech' ich, sie zu fliehn.

Drum, nehm' ich mich nicht selbst in Acht,

So werd' ich doch umsonst bewacht.

Nie wird den Müttern Klugheit sagen,

Was muntre Mädchen listig wagen;

Damit ich keine Thorheit thu',

So trauen Sie mir Weisheit zu.

Drum, nehm' ich mich nicht selbst in Acht,

So werd' ich ganz umsonst bewacht.