18. Auf das widerwärtige Unglück
By Catharina Regina von Greiffenberg
Written 1647-01-01 - 1647-01-01
Ach du feindseeliges Unglück!
bliebstu doch nur ein mal zu rück!
wilst unaufhörlich mich begleiten?
ich reiß hinab ich zieh' heraus
so verunlustigst meinen Lauff
bist mir verdrüßlich auf der Seiten.
Ach backe dich du nimmer-froh
quäl mich nicht alleweil also!
Geschworne Feindin meiner Ruh
Gesundheit Ehr' und Freud dazu!
du Feindseeliger Tugend-Schatten!
du Höll-verfluchtes Weißheit-Gifft
das tausend Widerstand anstifft!
wie kan sich Liecht mit Dunklen gatten?
die Tugend ist ein Demant-Stein
muß Unglück-schwärz umschmelzet seyn,
Verdunklerin der hellen Sonn
verleiterin der Freud und Wonn
die keusche Weißheit pflegt zu geben!
du Gall im Zucker-süssen Safft
den schöne Wissen schafft verschafft!
du Tod dem Tugend-Helden-Leben!
und wär dirs noch ein Höllen-Pein
muß Tugend doch geliebet seyn!
Der schönen Jugend böse Pest
die Thränen Mark und Blut auspresst!
du Schwindsucht aller Schönheit Gaben!
du Fieber stäter Furcht und Angst!
du Thier daß du mich nicht vorlangst
hast in das todten-Reich begraben?
du Seuffz-und Thränen-Wassersucht!
ach nimm doch nur einmal die Flucht!
Bin ich denn dein erwählter Zweck
daß du so gar nit wilthinwegk?
hast zu dem Quäl-Ziel mich erkohren?
so sey dir offner Krieg und Streit
und Muhts-Unüberwindlichkeit!
bey mir hinfüro stäts geschworen.
die Tugend wann ich recht betracht
im Unglück sich recht glänzend macht.
Kein Hercules ist der nicht schlägt
der Hydren Köpff' und sie erlogt.
die Unthier seyn darum auf Erden
daß Tugend Stärk und Dapfferkeit
nach Sieg-geendtem Helden-Streit
in aller Welt gepriesen werden.
Also verhoff' ich mit der weil
von dir Unglück ein Ehren-Seul.