18.Die Wunder bey dem Tode Christi
Written 1640-01-01 - 1640-01-01
Reiß Erder: Himmel brich: ihr Friedens-Engel klaget
Der Fürst der Welt vergeht! saust Lüffte Menschen zaget!
Der alles trägt verfällt die Ehre wird veracht!
Der alle deckt ist nackt der Tröster ist verschmacht.
Der Höchste steht am Holtz genagelt an die Aeste.
Die Hände sind durchbohrt durch die die Wolcken feste
In ihren Standt gesetzt der Leib ist eine Wund.
Von Fuß auff Scheitel ab ist nichts an Ihm gesund.
Das Licht der Welt erblasst gleich als der Tag sich theilet
Die Sonne wird mit Nacht im Mittag übereilet
Vnd lescht die Flammen auß das grosse Land erschrickt
In dem es kaum sich selbst in Finsternüß erblickt.
Doch geht dem Mörder auff ein neues Licht im Hertzen
Der Gottes Kind geschmäht rufft itzt in heissen Schmertzen
Den grossen König an vnd wil (trotz Creutz vnd Pein!)
Nicht Mörder! sondern mehr ein Lebens Lehrer seyn.
Der Mittler eylt zum End' Er wil den Todt vmbfangen
Vnd rufft Ihm überlaut ob gleich die Krafft entgangen
Ob sein zufleischter Leib hier gantz verbluttet steht
Hat Er die süsse Stimm doch sterbend auch erhöht.
Der Vorhang der das stifft des innern Tempels decket
Reist oben ab entzwey: was vor vns ward verstecket;
Steht offen! last vns gehn! diß Wunder zeigt vns frey
Das nichts mehr heiligs im entweyten Tempel sey.
Der Erden Grund erkracht die trotze Felsen springen
Die Klippen spalten auff die schnellen Ritze dringen
Schir biß in Mittelpunct die Länder fallen ein
Vnd wollen Zeugen nur deß grossen Mordes seyn.
Der Tod verleurt sein Recht. Der Grüffte Marmor zittern
Die Gräber brechen auff der Heilgen Leiber schüttern
Vnd schaun mit ihrem Geist vermählt das Opffer an
Das Gottes heissen Grimm der Rach' außleschen kan.
Volck Hauptmann vnd Soldat bewegt durch solche Zeichen
Bedenckt die grimme That die Hertzen selbst erweichen
Ach warlich! rufft man ietzt der war ein frommer Mann
Vnd Gottes Sohn an dem das Recht nichts tadeln kan.
Man bricht weil schon der Tag sich gegen Abend neiget
Der Mörder Bein entzwey ein neues Wunder zeiget
Den Grund der Prophezey! Ihm den der Tod entsetzt
Wird von der grimmen Faust nicht einig Bein verletzt.
Doch durch die blasse Seit wird Ihm ein Speer gedrungen
Auß welcher bald für vns ein Gnaden-Brunn entsprungen
Ein Blutt vnd Wasserstromm der vnser Sünd abwäscht
Vnd die entbranndte Glut der schwartzen Hell' außlescht.
Vnd zweifelt noch ein Mensch daß der Versprochne kommen!
Daß Er der Menschen Schuld auff seinen Halß genommen!
Wenn Himmel Lufft vnd Sonn vnd Erd vnd Grab bewehrt
Das durch Ihn Grab vnd Tod vnd Helle sey verhert.