19. Auf eben dasselbe
By Catharina Regina von Greiffenberg
Written 1647-01-01 - 1647-01-01
Mein Unglück weiß es wol
daß ich es würd verklagen:
drum läst es mich nichts sagen
daß mans nicht wissen soll.
Es wehrt auf alle Weise
die hohe Feder-Reise:
jedoch gelingts ihm nicht;
Beständigkeit durchbricht
Will in der Unglücks-Klag
mich nicht gar lang auf halten
den Himmel lassen walten:
er weiß den Endschaffts-Tag.
Es muß es muß vergehen
solts noch so lang anstehen.
Es ist der Endlichkeit
wie alles unterbreit.
Ob ich schon seufz' und wein'
in dessen in den Banden
so wird es doch zu schanden
noch über meiner Pein:
in dem es muß empfinden
der Tugend überwinden!
und sehen seine Macht
von selber ganz veracht.
Kanst böses Unglück nichts
als Kunst und Tugend plagen?
must endlich doch verzagen
an leschung ihres Liechts!
Sie sitzen dir zu ferne
im Schos der guten Sterne;
verlachen deinen Fleiß
im sichern Himmel Kreiß.
Ach Tugend halt dich wol!
nach langem Streit und Streben
wird dich der Höchst' erheben
daß dichs nit reuen soll.
Zwar darff' es kein anfrischen:
du würdest eh verflischen
in deiner Himmel-Brunst
als achten ihren Dunst.
Es wird noch eine Zeit
aus der Versehung kommen
der Eitelkeit entnommen
in der mit voller Freud
die Tugend selbst wird richten
was sie hier wolt vernichten.
Mit Füssen wird sie gehn
auf ihrem Widerstehn.
Verharre nur mein Herz
bey ihren edlen Fahnen.
laß dich mit ihr verbannen
zu aller Noht und Schmerz
Der Lorbeer wird sich schwingen
dir Glanz und Krantz zubringen
üm dein bedörntes Haubt
dem Unglück ganz entraubt.