19.Deß Herren Begräbnüß
Written 1640-01-01 - 1640-01-01
Als der betrübte Tag zu Ende kommen
In dem das Licht der Welt von vns genommen
Bekümmert sich ein Frommer auß den Reichen
Vmb Jesus Leichen.
Der gutte Rath dem nie der Rath beliebet
Krafft dessen man diß Frevelstück verübet
Lässt Scham vnd Furcht vnd wil ohn ferner zagen
Den Anschlag wagen.
Er bittet daß Pilatus Ihm vergönne
Daß man den Leib vom Creutz abnehmen könne
Der gantz bestürtzt durch sein Geschwind erblassen
sich lencken lassen.
Weil Joseph nun nach Leichen-Tüchern sihet
Hat sich der Mann vmb Specerey bemühet
Der vorhin bey geheimer Nächte Stunden
Jesum gefunden.
Nun bringt Er Myhrr' vnd Aloe zu salben
Bey hundert Pfund getreuer Freundschafft halben
Sie wollen beyd' auß Gunst nach allen Stücken
den Leib beschicken.
Der legt beträhnt die halb' erstarten Glieder
Die Jener salbt auff reine Leinwand nieder
Der hilfft in Myhrr' vnd vnbefleckte Binden
Den Cörper winden.
Nah an dem Ort an welchem sich das Leben
Für vnser Heyl ins Creutzes Tod gegeben
War Josephs Grab das im begrünnten Garten
solt auff Ihn warten.
Ein neues Grab sehr köstlich anzuschauen
In einen Fels durch harten Stahl gehauen
Daß keine Leich vorhin hat angestecket
kein Stanck beflecket.
In dieses wird der Erden Fürst getragen
Weil Fest' vnd Nacht bequemer Ruh' abschlagen
Sie lassen sich auch keine Müh verdrüssen
die Grufft zu schlissen.
In dem der Stein wird vor das Grab geweltzet
Steht Magdalen die fast in Thränen schmeltzet
Die Jungfrau selbst die Jesum hat verlohren
den Sie geboren.
Die Frauen stehn die Ihn bißher begleitet
Vnd sehn wie sein Ruhbette wird bereitet
Biß sie die Sabbats-Nacht die einher dringet
Nach Hause zwinget.
Der Priester Haß kan doch nicht ende machen
Man schickt nach Volck man lässt das Grab bewachen:
Vnd muß (ob Schwerdter schon den Platz verriegeln.)
den Stein besiegeln.
Der du zu Ruh dich nach der Angst begeben
Laß meine Seel durch dich in Ruhe schweben
Wann man diß Fleisch nach überstandnen Plagen
Ins Grab wird tragen!