2. Clorinda erwachet aus dem schädlichen Sünden-Schlaff/ und befindet sich sehr ...
Written 1667-01-01 - 1667-01-01
O Gott! wo bin ich doch?
Auff was für einer Erden?
O weh mir! leb ich noch?
Ach! ach! wie will mir werden!
Ich bin gantz müd und schwach
Erfüllt mit Ungemach
Und schmertzlichen Beschwerden.
Ey laß! was thue ich hier
Wie lang hab ich geschlaffen?
Was gibt nicht Morpheûs mir
Ohn' Underlaß zu schaffen?
Es hätte können mich
Das böse Jäger-Vieh
Wie den Actæon straffen.
O was ein wilder Ort
Den ich nicht kan erkennen!
Man solt' ihn wohl den Port
Der bösen Hoffnung nennen.
Ach hätt' ich Hirschen-Läuff
Und Flügel wie ein Greiff
Von hinnen schnell zu rennen.
Wo ist das schöne Feld
Da ich zuvor gelegen?
Und wo das Lust-Gewäld
Bethaut mit göldnem Regen?
Wo ist der Freuden-Gart
Erfüllt mit mancher Art
Der Lustbarkeit zu pflegen?
Wie hat nicht alles sich
So unverhofft verkehret?
Noch kurtz zuvor hab ich
Die Zeit in Freud verzehret
Nun lig' ich von dem Leyd
Auff einer wilden Heyd
An gantzem Leib versehret!
Ach könnt' ich nun mit Ruhm
Auch wie Adonis, sterben
Verkehrt in eine Blum
Ein ehrlichs End erwerben!
So dörfft ich jetzund nicht
Mein rothes Angesicht
So wunderlich entfärben.
Weh' mir daß ich gehorcht
Dem Morpheûs so vermessen
Und also ohne Forcht
Der edlen Zeit vergessen!
Nun will der Reuer mir
Das Hertz abnagen schier
Der Kummer will mich fressen!
Dann wie ich läider seh'
So geht die Sonn zu Gnaden
Stürtzt ihre Pferd schon gäh
Im Hesper-Meer zu baden:
Es will nun werden kühl
Und ich Bethörte fühl'
Erst meines Schlaffens Schaden.
Zu dem so find ich daß
Mich jedermann verlassen
Bin forchtsam wie ein Haß
Auff den die Hunde passen:
Kan auch weil in die Fehr
Kein Trost zu spühren mehr
Kein Hertz zur Hoffnung fassen!
Daphnis zwar könnte mich
Noch aus dem Würbel schwingen
Wie wird Er aber sich
Zu solchem können zwingen?
Weil ich ihn nur verlacht
Sein' edle Lieb veracht
Wie kan Er mir beyspringen?
Als Syrinx dort verschmächt
Des Pans verliebtes Wincken
Und in dem Lauff vergächt
Gefangen an zu sincken
Ließ Pan die stoltze Nymph
Zu rächen seinen Schimpff
Ohn' alle Hülff ertrincken.
Ich (Edler Daphnis) auch
Hab deine Lieb verachtet
Und nach verkehrtem Brauch
Nach fremmder Lieb getrachtet
Da unterdessen du
In feuriger Unruh'
Nach mir schier gar verschmachtet.
Ich stoltze Vasthi hab'
Den Assuër entehret
Mich frech geworffen ab
Und gegen ihm gespehret.
Nun kocht sein Liebes-Hitz.
Nemesische Feur-Plitz'
Lieb wird in Rach verkehret.
Wo soll ich dann nun hin
Mich arme Tröpffin wenden
Die ich verlassen bin
An allen Ort- und Enden?
Wer ist wohl der mir mag
Auff daß ich nicht verzag'
Genuge Hoffnung senden.
So gar Andromede,
Mehr Hoffnung hat gefunden
Als sie dort in der See
Am Felsen hieng' gebunden
Perseûs hat sie getröst!
Von ihrem Läid erlöst
Das Meer-Thier überwunden.
Ich aber werde nu
Durch alle Wüsteneyen
Widhopffisch pu pu pu
Mit Tereûs müssen schreyen
Wer wird nachmalen mich
(Daphnis entfehret sich)
Des Untergangs befreyen?
Das Urtheil ist gefällt
Daphnis hat es gesprochen
Weil ich das Böß erwöhlt
Und meine Treu gebrochen
Wird er mir diese Schmach
So bald nicht sehen nach
Und lassen ungerochen.
Wo ist nun jetzt die Welt
Der ich so sehr bewogen
Die mich umb Gut und Gelt
Umb Leibund Seel betrogen?
Sie hat eydbrüchig mich
Gelassen in dem Stich
Treu-loß darvon gezogen.
Weil sie mich dann verlaßt
Soll ich sie nicht verfluchen?
Weil mich der Himmel haßt
Wo soll ich Rettung suchen?
Habt doch Mitleyden ihr
Vernunfft-beraubte Thier
Und Schatten-reiche Buchen.
Echo in einen Stein
Die du vor Läid verkehret
Hör' an doch meine Pein
Die schier mein Hertz verzehret
Ich will durch Berg und Thal
Ausruffen meine Quaal
Biß alle Welt mich höret.