2. Des Gehörs.

By Barthold Heinrich Brockes

Mein, durch der hellen Vögel Chöre,

In dem empfindenden Gehöre,

Gerührtes und vergnügtes Herz,

Betäubt durch ihren süßen Scherz,

Denkt, überleget und erwäget

Die Weisheit, welche solchen Klang,

Und herzentzückenden Gesang,

In solcher Thierchen Schnäbel leget.

Der solche schnelle Dehnungskraft,

So lieblichschallend’ Eigenschaft

Den dünnen Lüften eingepräget.

Der uns zu dem Genuß erkohren,

Und uns das Werkzeug unsrer Ohren

Dazu formiret und geschenkt,

Wodurch sich, sonder alle Müh,

Die liederreiche Harmonie

In die gerührte Seele senkt.

Will man nun recht, und menschlich hören;

Muß man des Wohllauts Ursprung ehren.