2. Kriegs Trost/
By Johann Klaj
Written 1636-01-01 - 1636-01-01
Ach Teutschland nicht mehr Teutsches Land
an den berühmten Flüssen
häng deine Harfen an die Wand
die Threnen sich ergiessen!
wann ich besinn den alten Stand
eh Jungfrau dich die Rauberhand
gemacht zu einem Weibe
die betteln gehet nackend bloß
die sonder Mann die Kinderloß
weint mir das Hertz im Leibe.
Ach Teutschland nicht mehr Teutsches Land
wie bistu zugerichtet
der Völcker Scheusall Spott vnd Schand
zergliedert gantz vernichtet.
Der Feind darzu dich hönisch hält
er fragt: ist das die Zier der Welt
ist das die Lust der Erden?
Heh! heh wir haben sie verheert
diß ist der Tag den wir begehrt
sie muß geschleiffet werden.
Die Strassen Zion liegen leer
das Opfern wird verhindert
man findet keine Kirche mehr
die nicht ist außgeplündert
die Priester hat man fortgesandt
die Gotteshäuser außgebrandt
die Lämmer ohne Weide
gantz schlägebäuchig einherziehn
vor Hunger in die Wälder flihn
viel sterben gar vor Leide.
Das Heil der Stadt Gerechtigkeit
ist ewig außgewiesen
das Rhathauß wird bey solcher Zeit
nicht sonderlich gepriesen
ein jeder thut was jhm beliebt
der Krieg den Haußstand hoch betrübt
das Vieh stirbt ohne Futter
die Grossen fallen durch das Schwerd
die Kleinen Hungersnoht verzehrt
der Säugling an der Mutter.
Es hat die Magenleere Noht
verbottne Speise gessen
Klein Eicheln Eselsköpfe Koht
auch Menschenfleisch gefressen
der Hunger hats dahin gebracht
daß Mütter jhre Frucht geschlacht
der Kinderlieb vergessen
gekocht den Sohn am Feuerrauch
und wieder in den Mutterbauch
(hilf Herre Gott!) gefressen.
Wo ist ein Krieg wol in der Weld
der so viel Jahr gewäret
der durchgebracht ein solches Geld
solch Land und Leut verzehret
der so viel Vnfal hat erweckt
der Stad und Dorf in Brand gesteckt
der überweit geflogen
durch alle Reiche mit Gefahr
schon gantzer acht und zwantzig Jahr
gleich einer Gifft gezogen?
Es hat die grimme Länderpest
getobet vnd gewütet
in Osten Suden Nord und West
viel Vnglück außgebrütet
der Fürsten Degen scharf gewetzt
zum Blutvergiessen angehetzt
daß sie selb-selbsten haben
einander auß dem Land verjagt
mit tausend Marterart geplagt
ein eigen Grab gegraben.
Vnd annoch wil kein Mensche recht
sich zu dem Friede lencken
dem taug er dem ist er zu schlecht
der träget diß Bedencken
Man sagt vom Friede Tag und Nacht
und wird kein Friede nicht gemacht
Ach Friede güldner Friede!
Ach Friedefürst send uns geschwind
das Friedengold dein Himmelkind
wir sind deß Krieges müde!
Es hat uns lang genug geschreckt
der Krieg auf unserm Bette
schaff daß uns fort der Haan aufweckt
und nicht die Mordtrompette
für Schlachten gib den Freudentantz
für Lorbern einen Oelblat-Krantz
daß jeder sicher schlaffe
bedeckt von seinem Feigenbaum
der seinen Weinstock giebet Raum
und weidet seine Schaafe.
Es wil den Menschen nicht gar wol
bey dieser Trübsal werden
ob deme was noch folgen sol
zur letzten Zeit auf Erden
die Sonne schwärtzet ihre Bahn
der Mond legt Trauerkleider an
die Sternen sich durchkräncken
das Meer läufft nicht den alten Lauff
es schäumt es bäumt sich Himmelauff
und will die Weld erträncken.
Man hört von Krieg und Kriegsgeschrey
es ist die letzte Neige
die rasendtolle Tyranney
macht alle Menschen feige
Das schlaffe Haubt hängt wie das Schilff
Ach Herr komm du komm bald und hilf
wie dein Wort hat versprochen
laß nicht das dickvergoßne Blut
das üm Jerusalem wie Flut
geflossen ungerochen!
Wenn Sanherib sich noch nicht legt
so wolstu jhme weisen
den Zepter der Friedhässer schlägt
den Zepter der von Eisen
zerschmettre seinen stoltzen Kopf
wie man zerschlägt den irdnen Topf
damit er nicht mehr blase
solch Gifft vergältes böses Ding
so lege ihm den Zwingering
in seine wilde Nase.
Vnd will er noch nicht stille seyn
mit Kriegblutmordgetümmel
so laß den Engel schlagen drein
von deinem hohen Himmel
der kan mit kräfftigstarcker Macht
erlegen jhm in einer Nacht
da liegen auf der Strassen
früh hundert zwantzig tausend Mann
acht tausend noch kein Hund entran
Er muß das Leben lassen.
Seid stille! Gott ist Zebaoth
sein Arm ist nicht verkürtzet
er reiset fort für fort auß Noth
deß Feindes Hochmuth stürtzet
Er ist es der den Sieg erhält
bliebt alzeit Meister in dem Feld;
und auch in diesen Zeiten
will Er der Heyland unser Held
dem wir die Sache heimgestelt
vor seine Kirche streiten.