2. Page und Prinzeß

By Peter Hille

Written 1879-01-01 - 1879-01-01

O, Prinzessin,

Eine Flamme

Eine bange Flamme,

Steigt mein Herz

Auf zu dir.

Sieh, ich weiß

Das wird nicht lange dauern,

Es muß ja sein,

Dann, dann – o ich sterbe gern für dich.

Sieh, dann betest du

Aus dem schönen, schönen Buche,

Das dir der Mönch gemalt hat –

Denn du kannst ja lesen

Und ich bin so glücklich,

Wenn ich das nur weiß.

Sieh mal, liebe Prinzessin,

Wie du nun die Hand mir auf die Locken legst

Das macht mich – so stolz.

Denn wie du nun sanft mir tust,

Daß mich alles durchrieselt,

Ja da greift dann der Henker hinein,

Wenn er so weit ausholt

Und einen Streich zieht, der dann

Ganz von Blut wird.

Und nun liege ich da auf der Heide,

Wie lauter Blumen,

Die ich früher mal weggenommen habe.

Und du, du Prinzessin,

Mußt die Stelle gut merken,

Weißt du!

Die Blumen, die ich dir da brach,

Die mußt du dir dann selbst wohl brechen.

Nicht?

Das tust du doch.

Siehst du, ich habe sie ja alle

So recht von Herzen

Mit meinem Blute getränkt

Für dich.

Man erfüllt ja einen letzten Wunsch.

Nicht erst in den Kerker,

In das dumpfe Grab meines jungen Lebens:

Ach nein, sogleich hinaus

In die eben erst erwachte Sonne,

Die golden lächelt,

Wie der Kronreif, der so fein dein Haupt umhegt,

Hin in den klaren Morgenwind

Unter die arglosen Lieder der Vögel,

Denen wir früher zusammen so gerne zugehört

Und dann für dich in den Tod.

Du brauchst mich nicht so traurig anzusehen,

Glaub' mir nur, ich sterbe sehr gern.

Ich sehe ja in seinem Gesicht

Deine Augen.

Und so kann ich hinüber gehen.

Ist das nicht schön?

Liebster.