2. SatyreWieder die unreine Schreib-Art und andere Untugenden/ Oder die edle Poë...
Written 1697-01-01 - 1697-01-01
Brich angenehmer Tag in meine Sinnen ein
Vertreibe diesen Schlaf wo durch die schweren Träume
Des Schlafes Süßigkeit mir eine Qval muß seyn.
Dein Glantz erqvicke mich wie die belaubten Bäume
Die stehen im Triumph von rauhen Winter auf
Sie waren todt wie ich. O Sonne da sie leben:
So halte Himmlisch Licht auch über mich den Lauf
Daß ich die Regung kan vom neuen Leben geben.
Was nützet einem Geist in dem der Tugend-Strahl
Als seinem Horizont soll unaufhörlich leuchten
Die Nacht der Eitelkeit? steh auf von dieser Qvaal;
Laß dich des Himmels Than mit neuer Krafft befeuchten.
Wie? will die Sonne nicht durch meinen finstern Sinn?
Ihr Augen klärt euch auf wills nicht im Hertzen tagen?
O Thor so streiche doch die schweren Träume hin
Die uns mit Eigen-Lieb' in Ehr und Wollust plagen.
Du arme Muse warst ein Kind der Finsterniß
Du lagst in schwartzer Nacht um keinem zu gefallen
Als dem der dich gebahr; Es liebte dich gewiß
Der Eulen holdes Heer vor andern Vögeln allen.
Sie stimmten ist mir recht mit dir im Singen ein.
Sie heulten grausam schön; so lieblich als ihr Schreyen
So klang dein Liebes-Lied den keuschen ungemein.
Die Venus wehlte dich zur Nachtigall im Mäyen.
Wiewohl ich hechele die Nebensänger nicht
Die diesen Nacht-Gesang geliebt und annoch lieben
Der in das Ohr der Welt mit solcher Anmuth bricht
Daß vor was Himmlisches die meisten taub geblieben.
Sonst würd' ein Haufen mich der wie der Sand am Meer
Von jenem Helicon, wo Venus herrschet stürtzen.
Es würden Mensch und Vieh der Furien ihr Heer
In der galanten Welt das Leben mir verkürtzen.
Nein dieses laß ich wohl. Was ich vor diesem schrieb
Kan auf den Lust-Parnaß die Ehren-Stelle haben
Es leiden die geliebt was meine Muse trieb
Mich bey den andern wohl den Raben bey den Raben.
Es Leb' Ovidius; Es lebe die Manier
Mit einem Liebes-Garn die Schönen zu berücken.
Ein Heyde weiß die Kunst. Schämt euch ihr Christen ihr
Daß ihr nicht besser wißt wie Lieben auszudrücken.
Denn hat die Liebe nicht der Himmel selbst erdacht?
(Ich rede mit der Welt) sie muß ihm heilig bleiben
Und viele haben sich in großen Ruhm gebracht
Die auf das reitzenste davon gewust zu schreiben.
Wenn nun Corinnens Aug' aus dem nur Feuer brennt
Euch in die Glut gesetzt: so sprecht: sie zu bewegen:
O Schönheit die die Welt noch nie so schön gekennt.
Zur Wollust kan ein Hertz die Schmeicheley erregen.
Dich Unvergleichliche bet' ich auf ewig an.
Weil die Abgötterey bey Weibern nicht vergebens
Und wer dem Himmel flucht bey Schönen wohl daran
So rede fort: Du bist die Göttin meines Lebens.
Ich weiß sprichst du zu ihr: sie sey dein Himmel-Reich
So lodert ihr Gesicht von einem starcken Feuer.
Es glaubt der arme Wurm sie sey Gott selber gleich;
Und ihre Gnade komt den Sündern gar nicht theuer.
Die ehrest du darauf als deine Lebens Krafft.
Und sprichst: Ich werde mich zu Grabe tragen lassen
Wenn mir nicht deine Huld mehr Lebens-Balsam schäfft.
Der Herr der Lebenden und Todten muß hier passen.
Damit ihr zartes Hertz sich desto mehr ergiebt
So schwere daß du nie wilst an den Himmel dencken
Wenn deine Seele sie nicht über alles liebt;
Und solte dieses Wort in Ewigkeit dich kräncken.
Als denn versichere giebst du Ihr einen Kuß
Ach Amor! ach du bist der Götter wahre Speise.
Und käme dieser Safft gleich von Cocytens Fluß
Und so zu reden sey der Höllen-Kinder Weise.
Nenn' etwas nenn' es selbst des Paradieses Frucht
Sprich: in der Liebe lacht mein Eden hier auf Erden
In dem mein brennend Hertz sich zu vergnügen sucht.
Vieleicht daß jenes dir dereinst nicht dürfte werden.
Darum ergetze dich. Heiß dieses Götter Brodt
Den Zucker aller Lust den Vorschmack jener Freuden
Womit sie dich entzückt. Vieleicht daß wenn du todt
Du ewig schwitzen must und Höllen Marter leiden.
Ob deine Lais schon von keiner Anmuth reich
So sage doch: sie sey den Engeln gleich zu schätzen.
Der Vortheil komt davon die andern weichen gleich:
Die guten stöhren nur der bösen ihr Ergetzen.
Gieb einer Creatur sie sey auch wie sie will
Um deine Liebes-Brunst den gantzen Preiß der Ehren
Der Gott allein gebührt; mein Eyfer schweiget still
Er soll galanter Mensch dir deine Lust nicht wehren.
Vor macht' ichs eben so. Drum sag' ein ander frey:
Daß vieler Poësie nach geilen Blumen stincket
Daß Hyppocrene längst der Hengste Schwemme sey
Und man der Verße Milch aus Thais Brüsten trincket.
Daß ausser einem Schertz der nach dem Schwefel schmeckt
Der Sodoma entbrandt wovor die reinen fliehen
Wie Bienen vor dem Rauch nichts in Gedichten steckt
Als Gifft das leicht in sich die jungen Hertzen ziehen.
Ich schreibe nichts davon; ich lasse willig ruhn
Die auf dem weichen Bett erkohrner Wollust schlaffen;
Biß der Gewißens Dorn das seinige kan thun:
Ein Kluger findet doch mit sich genug zu schaffen.
Ich bin allein vergnügt wenn meine Muse wacht
Und sich zur Arbeit schickt worzu die helle Sonne
Uns aufzuwecken sucht und die uns glücklich mächt:
Auf rechte Morgen-Lust folgt lauter Abend-Wonne.
Mir fällt ein Schwaanen-See viel schöner ins Gesicht
Als Wasser wo den Leib ein geiler Sperling badet.
Wie hör' ich den Gesang der süssen Schwäne nicht?
O glücklich wem kein Lied von den Syrenen schadet!
Der Schwanen Melodey komt vielen thöricht vor;
Es soll ihr süsser Halß im Sterben nicht erklingen.
Stirb aller Wollust ab; bring ein Ulysses Ohr
Zur Poësie, mein Freund du wirst sie hören singen.
O höchst-entzückter Klang! mißfällt euch dieser Thon
Ihr Tichter Juliens. O thörichtes Gesperre!
Vor euren Singen läufft die Tugend selbst davon
Da macht der Böcke Heer ein gräßliches Geplärre.
Mir klingt ein Schwanen-Lied der Keuschheit ungemein.
Ihr Unschuld weisses Kleid soll meine Lieder zieren.
Soll von den Schwanen euch ja was zu theile seyn
Mag euer schwartzer Geist die schwartze Haut wohl führen.
Doch wo verfall' ich hin? Vergebt mir dieses Wort
Ihr Tichter dieser Zeit: die Wahrheit zu bekennen
Reißt als ein starcker Strohm mir was die Feder fort.
Denckt daß ich euer Freund der Jugend nach zu nennen.
Deßwegen liebet mich verzeihet dem Gestirn
Durch dessen Einfluß mir diß aus dem Hertzen fliesset:
Wer Venus-Netze strickt der nehme Hasen Zwirn
Und sey das erste Wild so dieses Garn umschliesset.
Gewiß es kräncket mich wenn hier ein Eyser schimpft:
Der Schimpff soll mir allein nicht braven Männern gelten.
Jedoch wer meldet sich? ob man die Nase rümpft?
Wer kan mich ärger noch als wie sich selber schelten?
Was hab' ich wohl gethan? ich schrieb wie alle Welt;
Und auf der Liebes-See fand ich zuerst die Spuren
Als ich den geilen Lauf nach andern angestellt
Die mit dem höchsten Ruhm nach Cypris Insuln fuhren.
Vieleicht so sind sie noch der grösten Ehren wehrt?
Vieleicht daß Lieben schön daß meinem Geiste träumet?
Weg! weg! es ist zuviel was Amors List begehrt:
Dieweil kein Unkrant eh'r als seines bey uns keimet.
Im grünen wach ich auf. O süsser Auffenthalt!
Mein Haupt-Schmuck bleibet grün; mein Hoffen soll ihn tragen.
Im Lentzen hat die Welt die lieblichste Gestalt
Um von der Hoffnung uns was schönes vorzusagen.
Der Frühling ist die Braut mit der sich die Natur
In Hoffnung vieler Frucht bey guter Zeit verbindet.
O Muse schmücke dich weil sich in deiner Flur
Der Menschen süsser Trost die Hoffnung annoch findet.
Was Frühling? armer Freund um diesen ists gethan
Ruft mir ein Spötter zu. Du Schlange magst nur pfeiffen;
Ich weiß das Leben geht bey uns nicht eher an
Biß durch die Tugend wir das Lebens Licht ergreifen.
In meine Jahres-Zeit tritt zwar der Junius.
Sey du ein alter Bock und habe tausend Haare
In dem verfiltzten Baut: Es bleibt der Tugend Schluß:
Auch hundert Jahre sind bey Narren keine Jahre.
Brich deiner Poesie die Rosen sämtlich ab
Die in dem Juvenal nach fetter Geilheit stincken;
Mit Verßen martere die Venus biß ins Grab
Und laß wie Martial die Keuschheit öffters hincken.
Ja sinne deinen Kopff von aller Thorheit hohl
Und reime wie du meinst biß in die letzten Zeiten.
Nichts daurt was Lasterhafft es wird dein gantzes Wohl
Unreine Poesie zum Untergange leiten.
Der schreibet nichts der schreibt was nicht die Tugend lis't.
Das erste gute Blat so grünet zeigt den Lentzen
Entreiße dich der Nacht: Wenn du im Kercker bist
Wie kan der Lorbeer doch auf deinem Haupte glantzen?
Arbeite denn es steht dein Frühling auf der Flucht.
Sonst trägt der Winter nichts der Herbst wird leer erscheinen.
Wächst auch den Faulen was? ja eine Olstel-Frucht
Wer Esels Futter liebt darf nie vor Hunger weinen.
Arbeite; doch woran? an deiner Poesie,
An Blumen die man nicht des Brechens würdig schätzet?
Weg spricht ein dummer Kopf mit der Pedanterie.
Vor war sie ehren wehrt nun ist sie algesetzet.
O öffne noch einmahl den wohlberedten Mund!
Du Feind der Dichter-Kunst daß ich die Gründe höre
Die Gründe meines Schimpfs; und ob sie ungesund
So mache daß ich mich durch deinen Wahn bethöre.
Damit der edle Trieb in meiner Brust erstickt
Daß ich der tollen Welt zum Trotz nichts weiter dichte.
Hilf daß ein böser Mensch mich zu den Barbarn schickt
Den ich mir unbewust in seinen Lastern richte.
Sprich wer im Sode liegt wer menschliche Vernunfft
In Venus Meer ersäuft den Helden-Muth im Glase
Das Hertz in Maule hat wer in der Narren Zunft
Der sey allein geschickt ein Kluger sey ein Hase.
Ja sprich: ein weiser Geist gehört zur Tartarey.
Ein wild und wüster Kopf muß Ehren-Stellen haben.
Wer haseliert und lügt schwert und betrügt dabey
Dem sey der Fürst geneigt das Glück mag ihn begaben.
Sprich ja du sprichst es auch: es schreyt die meiste Welt
Bey wilden Bestien wo Schlang- und Drachen hecken
Zu welchen sich kein Mensch in Ewigkeit gesellt
Da soll der Tugend-Licht die Weißheit sich verstecken.
Da schmält das böse Thier auf unser Leben nicht
Läßt uns in Frieden gehn verstöhret kein Vergnügen
Verhütet daß der Hund in dem Gewissen spricht
Und wir vom höchsten Gott nicht viel zu hören kriegen.
Man lieset ohne dem was löbliches nicht mehr.
Was soll die Poesie nun bey den Menschen machen?
Es scheint es rühre mich auch Phœbus Geist nicht sehr
Und spräche: dieses sey das letzte deiner Sachen.
Gut: Wenn mein Sterbe-Lied nur Tugendhafft erklingt
Und ich im Tode bin den Schwanen gleich geworden:
So sey es daß mein Mund den Abschied heute singt;
Die Seele fliehe fort aus diesem Sünden-Orden.
Wo nicht so eyle sie in das vernünftge Reich
Wo wenn sich unser Geist nicht mehr mit Verßen zieret
Die an Gedancken rein in lauffen Flüssen gleich
Doch sonst ein gutes Werck der Weißheit Feder führet.
Mich schuf der Himmel zwar zur edlen Tichter-Kanst
Doch schrieb er den Beruff zu andern guten Dingen
Die Fähigkeit darzu durch eine starcke Brunst
Nach ihnen in mein Hertz die will ich nicht verdringen.
Arbeite was es sey wenns nur die Welt erbaut
Gib deiner Poesie den allerletzten Seegen.
Doch Muse, wenn auf dich dein Phœbus wieder schaut
Und dich mit aller Macht zu reimen will erregen:
So zünde seine Glut auch diesen Vorsatz an
Dich um ein gutes Wort nicht thöricht aufzuschwellen
Zu glauben daß du mehr als Lohenstein gethan.
Um dich Apollen selbst zur rechten Hand zu stellen.
Veracht' um deine Kunst nicht fremde Wissenschafft
Es steht nichts häßlicher als eine weiße Nase.
Erkenne dich vorher wie weit du Mangelhafft
Daß keine böse Luft in deine Seele blase.
Vieleicht daß da und dort ein großer Fehler wacht
Ein Stein an dem Parnass, der sich herunter weltzet
In dem du klettern wirst; wer weiß wo Phœbus lacht
Der diesem Icarus die schwachen Flügel schmeltzet.
Doch blehet deinen Sinn verstellte Demuth auf
Und wird dein schwartzer Geist Satyren drum erwehlen
Daß man dich heilig nennt so geht dein Leben drauf
Und selbst die Pestilentz grassirt in deiner Seelen.
Auf so ein todtes Aas scheint stets der Sonnen Strahl
Biß daß es stinckend wird; denn geht es vor die Hunde.
Ein Gleißner sey verstellt er träget doch ein Mahl
Daß man ihn kennen lernt kennt man ihn nicht zur Stunde.
Wer langt mir Mithridat, wenn mir die Falschheit Gifft
Um zweyer Verße noch gedencket einzugeben?
Die Zahl ist allzugroß die nun mein Eyfer trifft
Sie ließ mich ohne Gott nicht zwey Minuten leben.
Du ungeheures Thier verdamte Mißgebuhrt
Die Leib und Seele frißt du Crocodil der Tugend.
Du liederliches Weib mit der ein jede hurt
Des Alters Ubelstand du Pestilentz der Jugend
Gemeine Metze her du bist es Schmeicheley
Die das Poeten Volck biß zu dem Viehe bücket
Und so verachtlich macht daß Centner-schweres Bley
Von Unmuth und Verdruß mich ihrentwegen drücket.
Pfuy Luder! Pfuy dich an! bist du in unser Reich
Mit deinem Bettel-Sack vor andern eingeschlichen?
Wirst du vor Phæbus Zorn vor keinem Schrecken bleich
Wenn du als einen Gott so manchen raus gestrichen?
Wenn du den Wurm erhebst der kaum des Lebens wehrt
Die Sünden edel nennst die Laster Helden-Thaten?
Und wenn des Landes Marck ein Großer ausgezehrt
Mit einem Lob-Gedicht der Ubelthat wilst rathen?
O! möchte sich dein Geist wenn er befleckt will seyn
An einen Lumven-Hund der nichts verstehet machen.
Er schrey ihn herrlich aus vortrefflich ungemein
Er heiß ihn endlich gar ein Wunder aller Sachen.
Ein Kluger würde zwar ein höhnisches Gesicht
Ob deinem Unverstand wie billig lassen blicken
Doch stunde seine Brust in solchen Aengsten nicht
Als wenn man Sünden noch will Ehren-Kleider sticken.
Weg wer mit seinem Kalck ein kothigt Hauß beschmiert
Die Schrifften heilig preißt die Lucifer erfunden
Wer die Galanterie mit Tugend Purpur ziert
Und einen Ehren-Krantz der Boßheit umgebunden.
Wer Ehren würdig ist und nicht nach Ehren strebt
Dem will ein Ehren-Lied ich gern gedoppelt schreiben
Und ob die Poesie gar selten bey mir lebt
Der Tugend ihren Ruhm doch niemahls schuldig bleiben.
Vieleicht komt eine Zeit daß man die Künste liebt
Wenn erst die Jecken fort die mit dem Spieße laufen
Wenn man um schnödes Geld nicht schnöde Verße giebt
Und statt des Weitzens wird kein leeres Stroh verkaufen.
Inzwischen wachet auf von eurer Finsterniß
Ihr Musen laßt einmahl die helle Sonne walten.
Legt euren Fehlern selbst ein ewiges Gebiß
Und wieder fremde laßt den Eyfer nie erkalten.
Gib aber lieber mir O Himmel kans geschehen
Daß jeder Böser mag vor seiner Schand erröhten
Und durch der Weißheit Licht auf deinen Wegen gehn
Daß keine Satyra auf Erden mehr von nöthen.