20. Auf die unglück seelige Tugend
By Catharina Regina von Greiffenberg
Written 1647-01-01 - 1647-01-01
Tugend duck dich bis das Wetter
deiner Plag vorüber gehr
dir des Gottes aller Götter
unerhörte Hülff bey steht.
laß das Braussen
nur versaussen.
Ungelück hat auch sein Ziel
währt nit länger als Gott will.
Gott will seine letzlich schutzen:
Ihrer Feind tollkühne Macht
kan Er bald mit Spotten trutzen;
ihre Ränck' Er nur verlacht.
Ihr ersinnen
und beginnen
muß Ihm dienen zu dem Ziel
welches Er erheben will.
Tugend mustu kläglich schwimmen
in der Thränen Wasserflut:
Lasse nur das Dächtlein glimmen
deines Christen-Helden-Muht.
Laß' im Weinen
auch erscheinen
daß das endlich sey dein Ziel
was der Höchste haben will.
Ube dich nur in dem Schweigen
in Pythagors Nutzen-Kunst.
Durch die Wort sein Recht bezeigen
ist höchstschädlich auch umsonst
durch Vertragen
hilfft der Magen
zu des Leibs Gesundheit Ziel.
Gott schickt letzlich was man will.
Wort entzünden Wort erhitzen
sind des Zornes Zunderfleck:
Auf sie folgen Unglücks-Blitzen
nehmen doch kein Trübsal wegk.
Weißheit-Stille
bringt die Fülle
süsser Freud' erwartt das Ziel
da der Himmel helffen will.
Laß dich schmähen laß dich schelten.
Ehr nit achten ist ein Ehr.
Tugend-Kron kan alls vergelten
litte man auch noch viel mehr.
Laß nur doben!
der so droben
leitet selbst dich zu dem Ziel.
Trotz wehrt was Er haben will!