20. Die Schöne Falschzüngigte.
Ein ieder schaut dich an ein ieder schäzt dich werth
Doch keiner hört dir zu und keiner gläubet dir.
Die süsse Zauberey der angebohrnen Zier
Hält nur das Auge nicht zugleich das Ohr beschwert.
Hat dich Betrug und List von Jugend auff genährt
So weiß man nicht wenn Haß wenn Liebe bricht herfür
Ich suche deine Gunst dein Eyfer weist sich mir.
Jedoch werd ich dadurch von dir nicht abgekehrt.
Mir ist so angenehm das sonst verhaßte Nein
Des Mundes welcher nie dem Hertzen stimmet ein
Daß ich kein lachend Ja begehre zu erlangen.
Ich kenne deinen Sinn und schätze längst gewiß
Daß dein Verbot Gebot dein Wehrn Gewehren hiß:
Sagst du mir aber Ja was hab ich zu empfangen?