20. Die Schöne Falschzüngigte.

By Hans Aßmann von Abschatz

Ein ieder schaut dich an ein ieder schäzt dich werth

Doch keiner hört dir zu und keiner gläubet dir.

Die süsse Zauberey der angebohrnen Zier

Hält nur das Auge nicht zugleich das Ohr beschwert.

Hat dich Betrug und List von Jugend auff genährt

So weiß man nicht wenn Haß wenn Liebe bricht herfür

Ich suche deine Gunst dein Eyfer weist sich mir.

Jedoch werd ich dadurch von dir nicht abgekehrt.

Mir ist so angenehm das sonst verhaßte Nein

Des Mundes welcher nie dem Hertzen stimmet ein

Daß ich kein lachend Ja begehre zu erlangen.

Ich kenne deinen Sinn und schätze längst gewiß

Daß dein Verbot Gebot dein Wehrn Gewehren hiß:

Sagst du mir aber Ja was hab ich zu empfangen?