21. Auf eben selbige

By Catharina Regina von Greiffenberg

Written 1647-01-01 - 1647-01-01

Tugend wann ich dich zu lieben

mir so steiff nicht fürgesetzt

blieb' ich durch so viel Betrüben

mehr als tausend mal verletzt.

Alle Wetter gehn auf mich

Zornesstrahlen haglen knallen:

doch solt auch der Himmel fallen

gleichwol lieb und üb ich dich.

Was ich deinetwegen leide

gieß' ich alles in den Leth.

Mir beliebt die Weißheit-Weide:

daß dem Unglück in die Wett

ich ganz unbeweglich bleib'

und die holden Musen ehre

mich an Neid und Streit nit kehre

etwas sie zu preißen schreib.

Wird nit in den sauren Wellen

unsrer Perlen Zier erzeugt?

solt' ich nicht auch in Leid-Quellen

meiner Freundin seyn geneigt?

Ja mein Herz schließ dich nur zu

wie der Perlen Mutter pfleget

daß kein Grimm-Salz dich beweget:

Weißheit lieb' und leb in Ruh.

Jason kunte nicht erlangen

ohne Streit das göldne Fell.

Hercules wurd nit ruhmprangen

wann er nit in jener Höhl

hätt' erlegt die wilden Thier.

Tugend muß mit Schmerz gebähren

ihre edle Frücht die Ehren:

Niemand nehm ihm's anderst für.

Meine Schöne meine Reine

Weißheit meine Herzen-Braut!

dir hab ich mich gantz alleine

zuregieren anvertraut.

Neid und Boßheit acht ich nicht

ob sie schon die Tugend hassen.

Sich durch nichts abtreiben lassen

in der Weißheit Liebes-Pflicht.